Donnerflittchen

Der Mond liegt unter der Gürtellinie: Herbert Fritsch inszeniert Paul Linckes «Frau Luna» an der Berliner Volksbühne

Theater heute - Logo

Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft.» Das also. Nicht herausgeschmettert, nicht auf dem ollen Gassenhauer geritten wie auf einem alternden Derby-Hengst, sondern von Spielmannsuhrmusik angeklingelt, quetschen sich die grellen Mondreisenden aus Berlin eng aneinander zum Mondschein-Chor und hecheln gemeinsam die berühmten Verse, erst noch mühsam nach Atem ringend, dann leise wie Besucher einer Nachtbar, die gerade an einer Shisha-Pfeife ziehen. Berliner Luft verpufft.

Ein behaglicher Singe-Abend für «Spree-Athener» ist es nicht, was Herbert Fritsch der Volksbühne zum Saisonabschluss anrichtet.

Man ist vom Extrem-Komödianten Fritsch gewohnt, dass er erhabene Bühnenklassiker
à la «Nora» oder «Biberpelz» zum kunterbunten Boulevardballon aufbläst – wobei dieser Ballon selbstredend nicht nur mit Guter-He­lium-Laune, sondern auch mit reichlich Boshaftigkeit und Hintersinn gefüllt sein kann; der Knall tut’s kund. Wenn Fritsch nun aber hier, wie zuletzt häufiger, einen krachkomischen Boulevard-Klassiker am Wickel hat, so packt er eben auch mal die Vakuum-Pumpe aus. Aus gutem Grund.

Verdrängungsgeschichte im luftleeren Raum

Paul Linckes burleske Mondfahrer-Operette «Frau Luna» (mit einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Haltet ein und durch!

Zum Schluss hat sich vor dem Kölner Dom zum Schweigen doch nur ein Häuflein Menschen unter Regenschirmen eingefunden. Lose gruppiert stehen sie um ein aus Mamorgranulat aufgeschüttetes Sechseck. «Halt ein und denke», hat die israelische Künstlerin Yael Bartana als pathetische Devise ausgegeben, um das zweiminütige rituelle Gedenken an den Holocaust in Israel nach...

Funktionieren aus Prinzip

So ein Haus am See wirkt sehr entspannend: Durchs riesige Panoramafenster weitet sich der Blick auf Blau und Grün, Wasser und Wald. Eine selige, blutdruck­senkende Ruhe breitet sich aus. Innen nur weiter Raum und helles Holz, minimalistische Sauna-Moderne. Noch vor ein paar Jahrzehnten hätte man sich bei diesem Anblick unsterblich angeödet und die abgelegene Ecke...

Formfleisch kritische Masse

Glücklich ist Schiller vor mehr als 200 Jahren in Mannheim nicht gewesen. «Mannheim ist schlechterdings keine Atmosphäre für mich», schrieb er an einen Freund, nachdem Nationaltheater-Intendant Dalberg dem 1782 aus Württemberg Vertriebenen die
Unterstützung verweigert hatte. Tempi passati. Heute hat man Schiller in Mannheim so lieb, dass er so etwas wie der...