Emotionales Multitasking
Tatjana Winter (Ursina Lardi) heißt so, weil sie der Tatjana aus Puschkins «Eugen Onegin» nachgebildet ist, insbesondere Tschaikowskis Opern-Version; denn ihre Mutter (Borjana Mateewa) ist wiederum von Beruf Opern-Sängerin und muss als so eine Art prekäre Zweitbesetzung um den ganzen Globus jetten, um sich immer wieder als Zweitbesetzung bereit zu halten. Manchmal gibt sie in Falk Richters «For the Disconnected Child» Kostproben ihres Könnens, indem sie dann auch Arien aus «Eugen Onegin» singt.
Tatjana versucht, mit ihrer Mutter zu telefonieren, aber «die Verbindung ist so schlecht». So heißt es immer wieder.
Offensichtlich eine Metapher für das schon im Titel des Stücks anklingende Motiv des Problems der «Connection». Telefon-Verbindung als Bild für Verbindung ist natürlich, sagen wir, etwas dürftig. Vor allem dann, wenn man sich zu allerlei Gegenwartsdiagnosen aufschwingen will und den hier geschilderten Liebeskummer der geschiedenen Akademikerin, die weder persönlich im Internet noch über digitale Partnervermittlung den Richtigen findet, zur Gesellschaftskritik updaten will. Dann muss das Problem zwischen Mutter und Tocher schon über Skype zustande kommen.
Damit wäre das Niveau ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Diedrich Diederichsen
Luc Bondy und Stefanie Carp, der Intendant und die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, waren eigentlich ein unmögliches Paar. Der eine gehört zu den letzten Vertretern der Spezies Theatertheaterregisseur, die andere ist eine moderne Theaterintellektuelle. Der eine inszenierte ein Stück nach dem anderen vom Blatt, die andere kuratierte ein Programm, in dem...
Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft.» Das also. Nicht herausgeschmettert, nicht auf dem ollen Gassenhauer geritten wie auf einem alternden Derby-Hengst, sondern von Spielmannsuhrmusik angeklingelt, quetschen sich die grellen Mondreisenden aus Berlin eng aneinander zum Mondschein-Chor und hecheln gemeinsam die berühmten Verse, erst noch mühsam nach Atem ringend,...
Die Verleihung des Theaterpreises Berlin an Jürgen Holtz fand natürlich nicht im Deutschen Theater statt, wie im letzten Heft gemeldet, sondern im Haus der Berliner Festspiele. Wir bitten die verwechselten Bühnen ausdrücklich um Entschuldigung.
