Unfinished Business
Ursprünglich wollte Toshiki Okada Filme machen. Doch nach einer ersten erfolgreichen Theaterregie-Erfahrung mit befreundeten Studierenden gründete er 1997 die Theaterkompanie chelfitsch (Babysprache für das englische «selfish» – also selbstsüchtig, egoistisch). Seitdem schreibt er in seiner Doppelfunktion als Autor- und Regisseur-in-Residence für chelfitsch und manchmal auch andere japanische Theaterkompanien Theaterstücke. Okada setzt in ihnen Tradition und Gegenwart auf eine Weise ins Verhältnis, die beides fremd erscheinen lässt. Er erzählt Geschichten aus einem Japan des 21.
Jahrhunderts, das vom beschleunigten globalen Kapitalismus geprägt ist, aber weiter ganz eigenen, lokalen Umgangsformen anhängt. In Okadas Stücken sehen wir Menschen, die in dieser sich wandelnden Welt einen aktiven Zugriff auf die sie umgebende Realität verloren haben. Und weniger kämpfen als flüchten: in die Erinnerung, in Trivialitäten, in den Konsum.
Nachdem Okadas Stücke bisher ausschließlich in Asien entstanden sind, schreibt er nun zum ersten Mal ein Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele. «Nô Theater» (AT) wird sich der streng formalisierten Struktur der klassischen japanischen Theaterform ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Tarun Kade
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor...
«Ich bin klein
mein Herz ist rein.
Soll niemand drin wohnen
Als Jesus allein.»
Wie viele Kinder müssen dieses Gebet vor dem Schlafengehen aufsagen? Es ist ein Ritual, und als solches schadet es nicht. Man spricht es, weil die Eltern es verlangen. Und irgendwann will man es vielleicht selber auch sprechen, weil man es nicht anders kennt. Die Rebellion setzt erst später...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
