Tschechows Phantome
Es ist ein Abend, wie er im Theater eigentlich immer sein müsste: betörend, melancholisch, aber auch gescheit und scharf und ausweglos in seiner Konsequenz. Ein kleines bisschen fahrig vielleicht in seiner Collagierseligkeit, manchmal etwas zu beschwipst von den Einsatzmöglichkeiten des Komödiantischen, aber doch immer Blueprint für das Leben, wie es eben ist oder nicht ist. Vergangenheit und Gegenwart in eins gefallen, ein schönes altes Bild zwar, das aber plötzlich zu leben beginnt und die schöne, träge Tschechowsche Theaterheimat unheimlich macht. Kurz: Ein neuer Pucher ist da.
Nach «Kirschgarten», «Möwe» und «Drei Schwestern» jetzt also auch der «Onkel Wanja». Und wieder ist es eine Arbeit geworden, die zwischen den Zeilen liest und grübelt und das Andere zu Tage bringt, all die höflich und krampfhaft unter Verschluss gehaltenen Neurosen und Verletzlichkeiten, und die vor allem andern eine unglaubliche Empfindsamkeit für atmosphärische Umsetzungen beweist. Pucher hat das Prinzip des Zwischenzeiligen in seinem «Wanja» noch einmal auf die Spitze getrieben und es zum Prinzip der totalen Umkehrung erhoben. Grob zusammengefasst heißt das: Wo Raum ist, wird Linie, leise ist das neue ...
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Der Herold des Tragischen hat’s heute so schwer wie der Prophet schon immer. Keiner will ihm zuhören. Das geht so nicht mehr, murmeln die Leute, führen Sprachzweifel und Formerwägungen ins Feld oder verschanzen sich gleich ganz hinter Gelächter. Das alles muss er hinnehmen. Sage aber keiner, dass Botho Strauß seine Pappenheimer deswegen nicht kennt, verwünsche er...
Noch ist der Kampf nicht ausgefochten. Noch kann sich Anatolij Wassiljew, einer der herausragenden Erneuerer des russischen Theaters aus der inzwischen älteren Generation, nicht wirklich sicher sein, dass die von ihm initiierte, vom mächtigen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nachhaltig geförderte und darum lange Zeit schier unaufhaltsam expandierende «Schule...
Und Action! Ein neues Team entert ein Theater, und die ganze Stadt soll wissen, dass von jetzt an frischer Wind durch die Bretter pfeift. Holger Schultze, bisher Schauspieldirektor am Theater Augsburg, hat Erfahrung im Wachrütteln mittelgroßer Stadttheater aus dem Dornröschenschlaf. Seine Intendanz an den Städtischen Bühnen Osnabrück startet er an drei Tagen im...
