Trau keinem über vierzig
Als vor zehn Jahren das erste «100° Berlin»-Festival über die Bühnen des HAU und der Sophiensaele tobte, war alles Tohuwabohu. Ehrgeizige Theaterwissenschafts–studentInnen brannten darauf, vor Publikum ihr frisch erworbenes Wissen anzuwenden, hochmotivierte Dilettanten präsentierten ihre Passionsspiele, ergraute Szene-Hasen, denen nach Jahren der Förderhahn abgedreht worden war, packten noch einmal die Puppen aus. Studienräte für Deutsch und Englisch erfüllten sich vor der Pensionsgrenze den Traum, öffentlich einen Shakespeare-Totenkopf anzusprechen.
Jungchoreografen und Gießen-Abbrecher standen, ob mit ambitionierter Konzeptkunst oder brachialem Kabarett, zweifelsfrei kurz vor dem Durchbruch. Kurz: Das ganze Spektrum dessen, was sich unter dem breiten Begriffsschirm «Freie Szene» versammelt, wurde für ein Wochenende gleichberechtigt und nach dem Zufallsprinzip über die Spielstätten in Kreuzberg und Mitte verteilt.
Theater-Tombola
Inzwischen (und nicht erst seit diesem Jahr) ist aus diesem Sammelsurium – das für das Publikum einer Tombola mit reichlich Nieten und spärlichen Hauptgewinnen glich – das vielleicht spannendste Nachwuchsfestival im deutschsprachigen Raum geworden. Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2013
Rubrik: Magazin: Nachwuchs, Seite 71
von Eva Behrendt
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das...
Franz Wille Alle reden vom Berliner Flughafen, der wohl nie fertig werden wird, oder von Stuttgart 21, aber niemand redet von der Baustelle im Stuttgarter Schauspielhaus, die sich leider vergleichbar katastrophal hinzieht.
Hasko Weber Inzwischen halte ich solche
Parallelen auch für angebracht. Es gibt sicher Größenunterschiede, aber die Bedeutung für die Stadt und...
In den 1970er Jahren habe ich ihn eine Weile gekannt (und ich glaube, ich kannte ihn gut), und nur von dieser Zeit will ich hier erzählen. Es war die Zeit, als Jérôme Savary, der Franzose aus Argentinien, mit dem «Grand Magic Circus et ses Animaux Tristes», also dem Zauberzirkus mit den traurigen Tieren, die Enthusiasten beglückte. Nicht allein in Paris. Die Leute...
