Karlsruhe: Fröhlichen Todestag!
Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.
Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung des Generationenvertrags: Jeder Mensch erhält zur Geburt einen Inhalator mit tödlichem Gift – entsprechend der Titel des Auftragswerks «sterben helfen».
Erwachsene benutzen ihn freiwillig, wann immer sie gehen möchten. So werden Beerdigungen zu fröhlichen Abschiedsfesten, ganz nach dem Geschmack der Sterbenden. Im Fall von Lucys Mutter, Professorin, Typ resolute Lady um die 70, blonde Hochsteckfrisur, schwarze Handschuhe, wird es ein feierliches Festessen mit über 200 Gästen. Ihre ritualisierte Abschiedsrede hält Annette Büschelberger in der Uraufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe gefasst, humorvoll und leicht kokett. Ob das minimale Zittern ihrer Stimme der Rührung oder doch einem Hauch von Angst geschuldet ist, egal. Es wird von den Gästen mit Konfettiwerfen und Applaus routiniert überspielt, «wirklich ein ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Cornelia Fiedler
In Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Brecht-Inszenierung vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer» am Berliner Deutschen Theater gibt es eine (Video-)Szene, in der Andreas Döhler als Fatzer über die Warschauer Brücke irrlichtert. Der Schauspieler – seit acht Jahren Ensemblemitglied am DT – attackiert dort in einer erfrischend aggressiven Mischung aus...
Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behinderungen von Nichtsehen- und...
Gleißend wäre zu viel gesagt, aber ziemlich hell ist sie schon, die Bühne, die Lucas Devriendt für Julie van den Berghe aus schimmernden Plastikplanen gehängt hat. Von Devriendt heißt es im Programmheft, er stelle aus und lasse klassische Themen der Malerei im Heute spielen. Van den Berghe, geboren 1981, in der belgisch-niederländischen Theaterszene ein Begriff,...
