Tote leben länger
Ist es ein Höllenschlund oder bloß die Geisterbahn auf einem Jahrmarkt? Das riesige Maul eines Monsters mit scharfen Zähnen öffnet sich über der Bühne des Akademietheaters (Pia Maria Mackert). In Neon leuchtet die Schrift: HOPE.
Lucia Bihler hat Ödön von Horváths feministischen Totentanz «Glaube Liebe Hoffnung» auf eineinviertel Stunden verdichtet. Die ersten Worte gehören dem Monster. Es spricht das berühmte Leitmotiv des Stücks: «Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.
» Von «glücklicher Gleichgültigkeit» einer Beamtenseele ist dabei aber keine Spur: Alles klingt verzagt, melancholisch, resigniert.
Dann schwebt Elisabeth wie ein gefallener Engel vom Himmel, ein Höllensturz in Zeitlupe – und landet in einer märchenhaften Unterwelt. Eine dunkle Höhle, Totenköpfe in den Ecken, Wurzeln, die von der Decke hängen.
Ist sie schon gestorben, noch bevor es tatsächlich losgeht? Wundersame Wesen tummeln sich um die vermeintliche Leiche. Die fantasievollen Kostüme von Victoria Behr zeigen Tier-Mensch-Hybride mit Taubenfüßen, Vogelgefieder, Elfenohren und Teufelshörnern. Sie flüstern: «Armes Menschenkind». Keine Frage, das ist eine starke ästhetische Setzung, so hat man dieses Stück über ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Karin Cerny
Anfangen ist so schwierig. Das erste Mal auf die Bühne zu gehen, sich in einen meist provisorisch hergerichteten Raum zu stellen, das Regieteam, das einen erwartungsvoll anlächelt, zu spüren, und gleichzeitig dem Text, der eigenen Figur, der Situation, all den Menschen um einen herum zu begegnen, um dann etwas zu machen, was man «eine Szene spielen» nennt.
Wie soll...
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