Times are changing
Gerade noch denkt man, was für ein hochästhetischer Anblick: diese abgestuften Rot- bis Rosa-Töne, durchzogen von feinen weißen Äderchen; diese Assemblagen aus popkulturellen Icons und Straßenrand-Trash, diese irgendwie geschwungenen, organischen Formen. Doch langsam setzen sich die Bildmotive genauer zusammen: bis auf leichte Fleischreste abgeschabte Knochen, bräunliche Darmwurst-Teppiche, ein Globus mit Kontinenten aus blutigen Fetzen und immer wieder Knochen in unterschiedlichen Verfallszuständen, durchsetzt mit Gegenwartsschrott.
Barbara Ehnes hat für «Maß für Maß» im Hamburger Thalia Theater ein Schlachthaus der Moderne eingerichtet mit allem, was ein Großes Haus hergibt. Drehbühne mit wechselnden Perspektiven, Innen-Folterkammer mit begehbarem Totenschädel, Video-Screen und Direktübertragung aus dem Verlies. Schöner sterben.
Die Shakespeare-Überschreibung von Thomas Melle nimmt Maß an Covid-19. Die Intrige eines liberalen Herzogs, der nach Jahren liberaler Freizügigkeit die Gesetzes-Zügel nicht selbst anziehen will, sondern dafür seinen angeblich hochmoralischen, leider brutal-bigotten Vertreter Angelo einsetzt, bekommt einen konkreten Anlass. Der «schwedische Odem» geht ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille
Eine kurze, aber entscheidende Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbringt Mely Kiyak in einem Bergdorf in der Türkei, wo sich ihre «verliebte Cousine» verloben will. Da es sich um keine arrangierte, sondern eine Beziehung «gegen den ausdrücklichen Wunsch ihrer Familie» handelt, trifft die Cousine sich schon vorher heimlich mit dem Auserwählten und berichtet den Wache...
Als die Mauer fiel, musste er erst mal Schlange stehen: Heiner Müller war auf dem Sprung nach New York, plötzlich musste er sich hinten anstellen. Das Ende der DDR bedeutete für ihn zunächst das Ende der Privilegien. Schon 1975 war er zum ersten Mal in die USA gereist. Er blieb mehrere Monate, überzog sein Visum. Niemand rechnete mehr mit seiner Rückkehr, Ruth...
I was thinking, what could I do to give something back to this wonderful city and the wonderful people here?», leitet die Performancekünstlerin Annie Sprinkle den wohl spektakulärsten Teil ihrer legendären Performance «Post Porn Modernist» ein. «I thought maybe I could show you all my cervix. It’s a lot of fun and I think you’d all enjoy it. Would you like to see...
