Times are changing

Im Hamburger Thalia Theater verhilft Stefan Pucher mit Thomas Melle Shakespeares «Maß für Maß» zu schwedischem Odem, und Jan Bosse belebt die 70er-Jahre-Mediensatire «Network»

Theater heute - Logo

Gerade noch denkt man, was für ein hochästhetischer Anblick: diese abgestuften Rot- bis Rosa-Töne, durchzogen von feinen weißen Äderchen; diese Assemblagen aus popkulturellen Icons und Straßenrand-Trash, diese irgendwie geschwungenen, organischen Formen. Doch lang­sam setzen sich die Bildmotive genauer zu­sammen: bis auf leichte Fleischreste abgeschabte Knochen, bräunliche Darmwurst-Teppiche, ein Globus mit Kontinenten aus blutigen Fetzen und immer wieder Knochen in unterschiedlichen Verfallszuständen, durchsetzt mit Gegenwartsschrott.

Barbara Ehnes hat für «Maß für Maß» im Hamburger Thalia Theater ein Schlachthaus der Moderne eingerichtet mit allem, was ein Großes Haus hergibt. Drehbühne mit wechselnden Perspektiven, Innen-Folterkammer mit begehbarem Totenschädel, Video-Screen und Direktübertragung aus dem Verlies. Schöner sterben.

Die Shakespeare-Überschreibung von Thomas Melle nimmt Maß an Covid-19. Die Intrige eines liberalen Herzogs, der nach Jahren liberaler Freizügigkeit die Gesetzes-Zügel nicht selbst anziehen will, sondern dafür seinen angeblich hochmoralischen, leider brutal-bigotten Vertreter Angelo einsetzt, bekommt einen konkreten Anlass. Der «schwedische Odem» geht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (12/2020)

Schwer gebeutelt von Corona-Restriktionen und trotzdem am Start: Reports aus München, Basel und Dessau.

Ein Bericht von der Burning-Issues-Konferenz in Hamburg und eine Keynote von Tucké Royale, der sich als Künstler nicht einvernehmen lassen will

Der zweite Lockdown hat auch unsere Heftplanung durchein­andergewirbelt. Nun aber wirklich: ein Porträt von Taner...

Ärger und Einsicht

Der Ärger ist groß, die Einsicht noch größer. Wer sich umhört unter den Leiter*innen von Stadttheatern und Produktions­häusern, vernimmt schweres Zähneknirschen über den unerwarteten zweiten Lockdown der Bühnen. Viele fühlen ihre Häuser ungerecht behandelt. Schließlich habe man funktionierende Hygienekonzepte vor und hinter der Bühne erarbeitet, die peinlichst...

Daten (12/2020)

Aalen, Theater der Stadt
2. Ebel, Ox & Esel – Eine Art Krippenspiel

R. Winfried Tobias
 

Altenburg Gera, THeater
10. nach den Gebrüdern Grimm, Rumpelstilzchen

R. Manuel Kressin
 

Annaberg-Buchholz, Winterstein-Theater
1. nach den Brüdern Grimm, König Drosselbart

R. Andreas Ingenhaag
5. nach Higgins, Harold und Maude
R. Karl Georg Kayser


Augsburg, Theater
3....