Tierisch abgetaucht
Sie haben einen schlechten Ruf, gelten als schäbig lachende Aasfresser. Doch Hyänen sind, das zeigen jüngste Forschungen, die wohl missverstandensten Säugetiere überhaupt. Bei ihnen herrscht ein striktes Ma -triarchat, und Hyänenmütter gehen mit ihrem Nachwuchs unfassbar liebevoll um. All das recherchiert man, etwas ratlos geblieben, nach der deutschsprachigen Erstaufführung von «Die Tage der Hyäne».
Der Titel ist natürlich Programm. Und so tritt im Text und in der Regie von Saara Turunen im Ballhof Eins eine Hyäne auf.
Zunächst nur in einem projizierten Tierfilm, kurz darauf aber verwandelt sich die Darstellerin Stella Hilb in das Raubtier. Dafür setzt sie sich puschelige Hyänenohren aufs Haar und schiebt sich ein paar Reißzähne in den Mund. Sie grummelt, knurrt und krümmt sich langsam, dann blitzen ihre Augen lauernd und gefährlich auf. Aus der Schriftstellerin mit Kinderwunsch – «von mir aus kann die Erde zerstört werden, von mir aus können die Urwälder verkohlen und Schmutzwasser alles überfluten, aber ich will trotzdem ein Kind» –, die Hilb bis dahin personifizierte, ist eine Hyäne geworden. Und zwar mitten in einer Hormonbehandlung.
Hilb wird fast das ganze Stück hindurch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Katrin Ullmann
Es war Januar 1970, als eine Gruppe junger Theaterkünstler:innen darüber nachdachte, im Privattheater der Schaubühne Berlin am Halleschen Ufer erstmals ein festes Ensemble zu gründen. Alle von ihnen hätten auch an einem Stadt- oder Staatstheater unterkommen können, denn sie waren keine Unbekannten, hatten bspw. in der «Tasso»-Inszenierung am Bremer Theater...
Hart ist gar kein Ausdruck für die Welt, in die die namenlosen Zwillingsjungen aus Ágota Kristófs Roman «Das große Heft» geworfen werden. Es herrscht Krieg, und ihre Mutter bringt sie, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, aus der bombardierten Stadt ins Dorf zur Großmutter. Deren Empathie hält sich in derart engen Grenzen, dass allein schon der Gebrauch dieser...
Weder Nachtigall noch Lerche, gar keine Balkonszene. Kein Bruder Lorenzo, kein fatal missverstandener Scheintod. Keine Fechtszenen. Emre Akals «Romeo und Julia»-Inszenierung (Autorenzeile: «nach William
Shakespeare») ist wie ein Rockkonzert, in dem die Band keinen ihrer Hits spielt. Das Personal ist auf acht Figuren reduziert, vier für jedes Lager: In Team Montague...
