Ticks, Tod und Harfengewitter

Unica Zürn «Dunkler Frühling» am Theater Neumarkt Zürich

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Unica Zürn beschreibt in «Dunkler Frühling» ein zwölfjähriges Mädchen, das sich aus Liebeskummer aus dem Fenster stürzt. 1970, ein Jahr nach Erscheinen der Erzählung, wirft sich die 54-jährige Schriftstellerin selbst aus dem Fenster und stirbt. Heute wirkt Zürns nur 64 Seiten kurze Erzählung wie ein beklemmender Ruf aus alten Zeiten. Überdeutlich beschreibt sie darin, wie ein Mädchen um Liebe buhlt – aber immer wieder zurückgestoßen oder nicht wahrgenommen wird.

Das Kind versucht, der frühreif auftretenden Sucht nach körperlicher Liebe mit ständiger Selbstbefriedigung zu begegnen. Es masturbiert exzessiv und fantasiert sich dabei in masochistische Tagträume hinein. Schließlich lässt sie sich ausdauernd vom Hund schlecken. Keiner merkt’s, keinen stört’s. Im Gegenteil: Das Mädchen ist kaum zehn Jahre alt, da wird es vom Bruder vergewaltigt.

Bei ihrer Inszenierung am Zürcher Theater Neumarkt geht es Regisseurin Yana Eva Thönnes weniger um den Wahrheits- oder Möglichkeitsgehalt der Erzählung. Vielmehr lässt sie vieles im Ungefähren und rückt das Geschehen mit historisierenden Schwarz-Weiß-Kostümen in die Vergangenheit. Im Neumarkt gibt es keinen Glaskasten wie in Thönnes’ «In Memory ...

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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Valeria Heintges

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