This is Tino Sehgal!
In seinem mittlerweile legendären Aufsatz «Art and Objecthood» von 1967 stellt der Kunstkritiker Michael Fried dem Minimalismus eines Robert Morris oder Donald Judd ein vernichtendes Zeugnis aus. Sie verrieten, so Fried, nicht nur die Malerei und Skulptur, sondern die Kunst überhaupt ans Theater. Ihre Objekte suchten nach Bühnenpräsenz. Statt erfüllter Gegenwart gegenüber einem autonomen Kunstwerk erfahre sich der Betrachter isoliert als Teil einer theatralen, mithin für Fried leeren Situation.
Fried resümiert kämpferisch, dass sich «zur Zeit das Theater und die Theatralik im Krieg nicht nur gegen die moderne Malerei befinden, sondern gegen die Kunst als solche». Fried kämpfte auf verlorenem Posten. Schon lange zuvor hatten mit Pollock, Cage und Rauschenberg transgressive und performative Verfahren in der bildenden Kunst Einzug gehalten.
Doch für manchen Besucher des deutschen Pavillons auf der 51. Biennale di Venezia scheint der von Fried beschworene Krieg wieder ausgebrochen. Hat man die Vorhalle des neoklassizistischen Baus durchquert und die erste Kühle des zentralen Saals genossen, löst sich, noch bevor die Skulpturen von Thomas Scheibitz im hinteren Raumgeviert in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Ein-Mann-Revolution tritt hinter einem Werbeplakat für die Zigarettenmarke «Cabinet» hervor. Auf dem Plakat sieht man eine Küchenszene, in der sich die Hauptfigur die Zigarette an der Flamme des Gasherds anzündet. Die Ein-Mann-Revolution ist männlich und spricht grundsätzlich im lockeren Plauderton.
Beherzt Hallo, na wie geht’s, Ihnen allen ein herzliches...
Ein junger Mann von engelhafter Schönheit bricht in die gediegene Langeweile einer Mailänder Industriellenfamilie, bringt erotische Erleuchtung und hinterlässt Chaos und Wahnsinn. Nacheinander lassen sich die Familienmitglieder mitsamt dem Dienstmädchen von dem mysteriösen Gast faszinieren und verführen, der so plötzlich wie er gekommen ist auch wieder...
Wer über das Theater gründlich nachdenkt, kommt am großen Theater- und Fußball-Philosophen Thomas Brdaric, der als Stürmer in Diensten des VfL Wolfsburg steht, kaum vorbei. Erst kürzlich, zu Beginn der Winterpause, sagte er: «Man macht sich schon sehr, sehr viele Gedanken. Und gerade weil man sich so viele Gedanken macht, habe ich mir in den letzten Tagen einfach...
