Dresden: Wo seid ihr denn?
Als Intro zu Oliver Frljics «Requiem für Europa» tritt der Schauspieler Sebastian Pass in einer Art Horrorclownkostüm an die Rampe des Staatsschauspiels Dresden. Er sei neu im Ensemble und habe «ein Gastgeschenk» mitgebracht, säuselt er mit einem Suggestiv-Tremolo ins Parkett, als hätte er den Job des Sandmannes übernommen. Es handele sich um einen Wunsch.
«Ganz Dresden», säuselt Pass weiter, schiebt sich die rote Plastiknase aus dem Gesicht und fixiert das Publikum, solle «platt gemacht» werden: «Jede Mutter soll mitansehen müssen, wie ihr Kind misshandelt, skalpiert und zerstückelt wird. Nichts soll von euch übrig bleiben. Nicht einmal eine Erinnerung.»
Kurzum: Der kroatische Regisseur Oliver Frljic entscheidet sich bezüglich der Frage, wie mit Europa und seinem Rechtsruck umzugehen sei in der Hochburg der Montags-«Spaziergänger» von Pegida, fürs Stilmittel des munteren Zurückprovozierens. Und zwar ausdrücklich auf Augenhöhe, also intendiertermaßen unsubtil, unansehnlich, postfaktisch: Ein naturgemäß begrenzter, aber vor dem Hintergrund, dass die bürgerliche Dresdner Mitte zwar größtenteils nicht mit «spaziert» bei Pegida, sich aber eben auch nicht öffentlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Christine Wahl
Schade, dass Gerhard Stadelmaier die Verfilmung von Peter Handkes Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» durch Wim Wenders nicht mehr im Dienst erlebt. Denn die Verfilmung sieht so aus, wie Stadelmaier das Stück aninszeniert hat in seiner Besprechung der Premiere von 2012: «Man müsste die beiden nur sitzen, sprechen und träumen lassen. Und wenn sie...
Theater Heute
Die Theaterzeitschrift
im 58. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...
Norma kommt von «Norm». Denn Norma steht unter gewaltigem Normierungsdruck. Normen kommt auch von «Norm». Er hat das Ganze schon hinter sich. Nach «Du (Normen)», liefert Dramatiker Philipp Löhle nun mit «Du (Norma)» den femininen Gegenpart seiner so genannten «Dulogie». Deren Ziel ist es laut Ankündigung des Nationaltheaters Mannheim zu zeigen, «wie die...
