Theater aus der zweiten Reihe
Halb elf am Nürnberger Hauptbahnhof hatten wir ausgemacht. Der Schauspieler Andreas Uhse steht vor dem «Info-Center», und von weitem meint man, diese Haltung zu kennen: ein wenig verloren und irgendwie fehl am Platz, allein unter Unzähligen. Der kahle Schädel zuckt immer mal ruckartig wie der Kopf eines aufmerksamen Vogels, die spitze Nase sticht in die Luft, die Ohren wie aufgestellt, die Augen gehen flink und suchen nach einem Halt. Und bei all dem erscheint dieser gleichzeitg neugierig und schüchtern wirkende, schmale junge Mann da unnahbar, verschlossen, verloren.
Als ich ihn das letzte Mal so sah, auf einer ganz anderen Bühne, war er Franz Moor und hatte sich gerade nach allen Regeln des Fremd- und Selbstbetrugs die eigene Zukunft versaut, stand wie ein Haufen Elend, in trüben Gedanken die Welt nach einem Ausweg abtastend, und staunte nur noch stumm über die Ausmaße seiner Einsamkeit.
Und jetzt geht es doch wieder um Zukunft, aber die ist Wirklichkeit und offen. Er hat die Chancen genutzt, und wenn er nun einen Schlussstrich zieht, ist es ein Neuanfang. Nach sechs Jahren am Nürnberger Schauspielhaus macht sich Andreas Uhse gerade auf den Weg ans Ulmer Theater, wo er ab der ...
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Es ist ein kleines Juwel, dieses aus klassischen fünf Akten bestehende Drama «Shining City» des 1971 geborenen Iren Conor McPherson. Dabei macht es gar nicht viel von sich her. Zwei Haupt- und zwei Episodenfiguren begegnen sich nach und nach in einer Dachgeschosswohnung in Dub-lin, die dem vierzigjährigen Ian gehört. Dieser Ian, ein sanfter, sympathischer Mann,...
Ich bin keine Dichterin. Nein.» Schon nach den ersten fünf zappendusteren Worten ist klar: Dies wird ein letzter Bericht, ein Requiem, ein Testament. Sophie Rois, die Castorf-Diva und Pollesch-Heroine, liest Gertrud Kolmars «Susanna», eine Erzählung, die die 1943 in Auschwitz ermordete Autorin drei Jahre vor ihrem Tod in einem Berliner Arbeitshaus schrieb, und sie...
Der Generationskonflikt wird schon lange nicht mehr an der Musik- und Modefront ausgetragen, sondern in den technologischen und virtuellen Tiefen von Comic- und Computerkultur. Denn dort ist die Jugend vor den Erwachsenen noch sicher. Und zwar allein deshalb, weil Erwachsene ihr in diese komplex strukturierten Welten mangels entsprechender Kenntnisse und...
