Terrormatriarchat
Amerikanische Dramatiker lieben es, wenn sie beim Schreiben dreckige Hände kriegen. Mit Hingabe buddeln sie tief, um epische Groß- und Kleinfamilien durch den Morast ihrer Beziehungsgeschichten zu schicken, lassen die Leichen im Keller lange Schatten werfen und weiden Lebenslügen bis zur Katastrophe aus.
Zur Liga von Tennessee Williams, Eugene O’Neill, Arthur Miller und vielleicht Sam Shepard gehört den transatlantischen Lobeshymnen zufolge nun auch der Chicagoer Autor-Schauspieler Tracy Letts mit seinem Stück «August: Osage County», für das er 2008 den Pulitzer-Preis bekommen hat.
Man kann Burkhard C. Kosminski also ein glückliches Händchen attestieren, dass er es geschafft hat, die europäische Erstaufführung nach Mannheim zu holen. Im Deutschen wurde Letts’ Stück der Zusatztitel «Eine Familie» verpasst; wohl auch, damit kein Zweifel darüber entsteht, dass hier nicht schräges Experimentaltheater, sondern ein handfestes Grundsatzdrama auf die Bühne gebracht wird, das irgendwo in Oklahoma spielt und einige universelle Binsen zum Thema Familie birgt.
Den Ausgangspunkt bildet eine Multi-Generationensippschaft, die ihr Oberhaupt verliert. Vater Beverly – einst Dichter und Dozent, nun ...
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Fressen oder Fliegen» lauteten die recht prosaischen Handlungsoptionen, unter denen sich, im gesamten HAU-Komplex verteilt, Theater und Bildende Kunst annäherten – installativ, performativ und vor allem gesprächsbereit. Neben den alten HAU-Bekannten Rimini Protokoll, Jérôme Bel und Tim Etchells waren auch Bildende Künstler wie der Fotograf Thomas Demand oder die...
