Teile und Ganze
Ab wann werden ein paar Ereignisse, die vielleicht zusammenhängen, zu einer Geschichte? Vielleicht sogar zu einer Lebensgeschichte? Ist ein Leben überhaupt eine Geschichte? Und wenn ja, wer schreibt sie? Das «Archiv des Unvollständigen» erzählt keine Geschichten, weil Archive nicht erzählen, sondern sammeln, wenn auch meistens unvollständig. Manchmal finden sich allerdings auch Erzählungen in Archiven, die ein bisschen nachhelfen, wo es dem Leben an Zusammenhang fehlt. Manchmal fügen sie auch nichts zusammen.
Am Anfang und am Ende des 90-minütigen «Sprachmusikabends» von Laura de Weck (Text) und Thom Luz (Musik) stehen kurze Texte über den amerikanischen Komponisten Charles Ives. Gleich zu Beginn sein Traum von seiner ewig unvollendeten Idee einer «Universe Symphonie» mit allem, was das Universum umfasst – ein heißer Kandidat für Unvollständigkeit. Am Ende dann seine Sterbeszene, während der in der Wohnung darüber ein «lautstarkes Fest» gefeiert wird. Dazwischen haben die Autoren Szenen-, Sprach- und Musikbruchstücke angehäuft, die sich zu einer unvollständigen Geschichte zusammenfügen könnten. Oder zu deren Archiv.
Lisa Maline Busse hat in die Exerzierhalle des Oldenburger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Oldenburg, Seite 60
von Franz Wille
Hätte Suhrkamp in den vergangenen 30 Jahren mehr Titel wie Isabel Allendes Debütroman «Das Geisterhaus» (1982) verlegt, wäre der Verlag heute wahrscheinlich nicht in der Krise. Der autobiografisch unterfütterte Familienroman war ein Weltbestseller. Erzählt wird die Geschichte Chiles von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch 1973 durch General Pinochet; mit dem...
Nach der missglückten deutschen Erstaufführung am Berliner Deutschen Theater (s. Th 1/14, S. 35) zeigt in Hamburg Anne Lenk, wie Martin Crimps «In der Republik des Glücks» auf dem Theater funktioniert. Kleines Geheimnis ihres großen Erfolgs: Man muss Figuren, um sie zu kritisieren, sehr ernst nehmen. Dann übernehmen sie das mit der Kritik ganz von selbst.
Zum...
Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte...
