Aktualitäts­verzweiflung

Schiller «Kabale und Liebe», Mario Salazar «Die Welt mein Herz»

Theater heute - Logo

«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?

Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg des bürgerlichen Trauerspiels angenommen und es mit der popkulturellen Abrissbirne gründlich zerlegt. Mit einem besonders mutigen Zugriff auf Schillers Stoff hat diese Zertrümmerung allerdings nichts zu tun.

Jede Szene ist mit medialen Bildern und Bezügen skandalisiert und mit kurzen Musikhits aufgepeppt. Doch in den dicken Brocken Unterhaltungsindustrie finden die spärlichen Schillerschen Sprachsplitter weder Reibung noch Halt, die zwei Ebenen laufen spannungslos nebeneinander her.

Die riesige Industriehalle des Depots ist ein Lagerraum (Bühne Solberg/Maike Storf). Zwischen Kartonstapeln hängen mächtige Stoff­banner mit Amazon-Schriftzug und dem dynamischen Konterfei des Präsidenten von Walter, studentische Arbeitskräfte wuseln geschäftig her­um (leider fügt diese engagierte Statistengruppe dem ohnehin völlig überladenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Köln Depot 1 und 2, Seite 59
von Natalie Bloch

Weitere Beiträge
Das große Nicken

Das neue Gorki brummt. Jeder einzelne Abend sei ausverkauft, strahlt Chef­dramaturg Jens Hillje. Das Publikum ist um gefühlte zwanzig Jahre verjüngt. Nicht nur an diesem Abend, zweite Vorstellung von Falk Richters «Small Town Boy», mit dem das sehr gezielte Anpeilen von (riesengroßen) Randgruppen, die das Gorki unter Shermin Langhoffs Intendanz seit November...

Das Gegen-Oktoberfest

Nun ist es so weit: Auf dem Tisch der Kultusminister hierzulande liegen sie, die Bewerbungen um das immaterielle Kulturerbe. Die Liste scheint lang zu sein, allein in Nordrhein-Westfalen gingen 21 Bewerbungen ein, auch die für die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft. Kaum hatte der Bühnenverein diese angekündigt, standen sie auch schon parat, diejenigen, die...

«Ich will nicht subtil sein!»

Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...