Taumel d’amour

Joël Pommerat erzählt eine «Große und fabelhafte Geschichte des Handels», während Luc Bondy Isabelle Huppert mit Marivaux zur großen Liebenden macht. Nachrichten aus dem Pariser Theaterwinter

Theater heute - Logo

Nein, «Pommerat» ist keine Champagnermarke. Es klingt nur so. Joël Pommerat kommt auch nicht aus Reims, sondern aus Roanne am Zentralmassiv, wo er 1963 geboren wurde. Sec und gelegentlich extra brut sind seine Stücke, und seit einer Weile ist Pommerat auch so was wie eine Marke im hexagonalen Theaterbetrieb. Seine Theatertexte und Inszenierungen zeigen sich belebend und voller Esprit oder, wenn die Metapher nun schon mal im Glas ist, prickelnd und moussierend, und man kann sich bei all der funkelnden Perlage leicht in ihrer Schwere täuschen.

Das heißt, es kann bei Pommerat schon mal vorkommen, dass der Konsument am nächsten Morgen mit einem brummenden Schädel aufwacht.

Zum Beispiel, wenn er «La Grande et Fabuleuse Histoire du Commerce» gesehen hat: Die großartige und sagenhafte Geschichte des Handels. Hinter dem champagnerisierenden Retrotitel verbirgt sich natürlich alles andere als Glanz und Gloria. In zwei Durchgängen führt Pommerat unbescholtene Normalversager in die Mechanismen der Konsumgesellschaft ein, einmal Ende der 60er Jahre, einmal in den 2000ern. Sie sollen zu Handelsvertretern ausgebildet werden, was man früher halt so als «Klinkenputzer» bezeichnet hat. Sie bilden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Ausland, Seite 38
von Andreas Klaeui

Weitere Beiträge
Jenseits von Gut und Schön

Der Titel lässt an süddeutsche Provinz denken, Fachwerkidylle und Kleinstadtenge. Doch damit liegt man natürlich völlig daneben, wie mit so vielen Erwartungshaltungen an diesem in mancherlei Hinsicht überraschenden Abend. Zunächst einmal ist es schon erstaunlich, dass der belgische Tanztheatermacher Alain Platel, bestens vernetzt mit einschlägigen...

Faszinierende Mechanik

Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte...

Die Farbe Braun

Zur Zeit werden mehrere Theateraufführungen über die Opfer und Taten der faschistischen Gewaltzelle vorbereitet, die sich selbst den Namen «NSU» (Nationalsozialistischer Untergrund) gegeben hat. Münchens Residenztheater und Karlsruhe arbeiten dran, Frankfurt hat mit «Der weiße Wolf» den Anfang gemacht. Während sonst Projekte geplant sind, die sich dem Thema...