Faszinierende Mechanik
Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte Reise antritt. Der Weg ist nicht weit, nur zwei Dutzend Treppenstufen trennen ihn von seinem lebensrettenden Medikament.
Gerade noch hat der herzkranke Banker seiner Frau eröffnet, ihr im Konkurrenzkampf mit ihren betrügerischen Investmentbrüdern nicht beizustehen – eine nicht ganz unverständliche Maßnahme, schließlich ist Regina weitaus weniger an ihm als an seinem Geld interessiert. «Ich habe immer Glück», hat sie kühl geantwortet. Prompt bekommt Horace einen Anfall; sein Medikament zerschellt auf dem Boden.
Ein Blick genügt, um zu kapieren: Regina wird ihm jetzt nicht helfen. Also steigt Horace allein die freistehende, bühnenbilddominierende Treppe zum Schlafzimmer empor. Regisseur Thomas Ostermeier lässt Hoss und Bading diesen vergeblichen Aufstieg maximal auskosten: Mit letzter Kraft schleppt Horace sich von Stufe zu ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Das hätte Matthias Hartmann wohl nicht gedacht, dass ihm ausgerechnet bei einer seiner eigenen Inszenierungen das Lachen vergeht. Eigentlich eine sichere Pointe, wenn in Tschechows «Onkel Wanja» jener Revisor angekündigt wird, der in Gogols Komödie für Angst und Schrecken und vor allem für jede Menge Peinlichkeit sorgt. Schauspielerin Caroline Peters meinte jüngst...
Personen:
Janne, um die 40
Günther, um die 65
Sigrun, um die 50 / Gitta, um die 60
Takeshi, um die 30 / Jonas, um die 35
Katja, um die 35
Prolog / Jenseits von Eden I
Zwei dick eingepackte Gestalten mit Rucksack und Sturmbrillen, mit Karabinerhaken an ein straff gespanntes Seil gehakt, das links und rechts am Bühnenrand verschwindet.
Gitta Die Suche nach...
Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...
