Tanz den Strukturalismus
Angst war die stärkste Kraft im französischen Wahlkampf 2007, sagt der Philosoph Alain Badiou. Sie verhalf Nicolas Sarkozy zum Sieg. Er und seine Partei verstanden es, die vage Furcht vor der Zukunft anzuheizen und boten ihr Migration und Jugendgewalt als Objekte an. Die Gegenkandidatin überließ ihnen die Themenhoheit, warb nur mit der Angst vor der Angst um Stimmen. Zu solch einer Wahl zu gehen, kann nach Badiou nicht als politischer Akt gelten.
«Jede Minute mit einem Illegalen ist besser als wählen», so lautet kurzgefasst eine seiner Neudefinitionen für wirklich politisches Denken und Handeln. So heißt auch die Show, die das Duo Gintersdorfer/Klaßen, inspiriert von Badious Streitschrift «Wofür steht der Name Sarkozy?», für das Schauspiel Köln entwickelt hat: Eine Diskurs Tanz-Performance über behördlichen Papierwahn, naiven Städtebau und die Liebenswürdigkeit des Geldes.
Zwei Versuchsballons lassen die Performer steigen, bevor sie das Publikum auffordern,
die Perspektive zu wechseln: Ein kleiner Diavortrag mit deutsch-französischem Off-Kommentar, gesungen im Stil einer priesterlichen Litanei, führt durchs Niemandsland der Autobahn-Tangenten in die afrikanisch-französische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 49
von Cornelia Fiedler
Dieser Klytaimestra ist jeder Zweifel fremd. Wenn Susann Thiede mit frisch bürolackierten Fingernägeln und dem Charme einer Politkommissarin ihren Gattenmord rechtfertigt, müsste jedes Hinrichtungskommando vor Schreck die Waffen strecken. Nicht so Orest, bei Arndt Wille ein ebenso blass verschreckter wie augenrollend erleuchteter Vaterrächer, der sein Schwert...
Romanadaptionen kränkeln häufig daran, dass sie sich mit dem Nacherzählen begnügen; die Schauspieler fungieren halb als Erzähler, halb als Rollenträger: Es sind die vielgeliebten Märchenstunden des zeitgenössischen Theaters. Der oft verkannte ukrainische Regisseur Andriy Zholdak dagegen macht keine halben Sachen; er haut nicht nur auf die Pauken, er stößt auch in...
Mit neuer Dramatik sind Münchner Theatergänger in den letzten Jahren nicht allzu oft konfrontiert worden. Johan Simons pflegt an den Kammerspielen als Uraufführungen, ganz im Stil des Vorgängers Frank Baumbauer, vor allem Roman- und Filmbearbeitungen, wenn sich nicht gerade ein neues Werk von Elfriede Jelinek oder René Pollesch bietet oder Sebastian Nübling Lust...
