Tamtam und Größenwahn
Mit neuer Dramatik sind Münchner Theatergänger in den letzten Jahren nicht allzu oft konfrontiert worden. Johan Simons pflegt an den Kammerspielen als Uraufführungen, ganz im Stil des Vorgängers Frank Baumbauer, vor allem Roman- und Filmbearbeitungen, wenn sich nicht gerade ein neues Werk von Elfriede Jelinek oder René Pollesch bietet oder Sebastian Nübling Lust auf Neues hat (Zaimoglus «Alpsegen» und jetzt Simon Stephens’ «Three Kingdoms»). Und Dieter Dorns klassizistisches Residenztheater konnte mit neuen Stücken fast gar nichts anfangen.
Das Feld liegt ziemlich brach, und Dorn-Nachfolger Martin Kusej hat in seinem Neuerungsehrgeiz angekündigt, es künftig wieder zu bewirtschaften.
Die Schauspieler sind nicht da
Das ist erfreulich. Kurios allerdings, dass die allererste Uraufführung am neugedachten Haus eigentlich nur höchst rudimentär im Theater stattfand. Was Helmut Krausser sich mit «Eyjafjallajökull-Tam-Tam» auftragsgemäß hat einfallen lassen, ist ein simultanes Szenenpanoptikum, das seiner eigentlichen Bestimmung erst im Internet zugeführt wird: die Präsentation des nagelneuen Ensembles, das größte in Deutschland. Ein Stück mit 55 Rollen sollte Krausser schreiben; das ist ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 9
von Barbara Burckhardt
Seinen Segen hatte Staffan Valdemar Holm schon gespendet, bevor er selbst die höheren Weihen empfangen konnte. Auf einem Video sieht man den 1958 geborenen Holm, der zuvor Intendant in Malmö und am Stockholmer Dramaten war, als Pfarrer, der die Beerdigung von «Michel Houellebecq» geistlich begleitet, wie es Michel Houellebecq für sein literarisches Alter Ego in...
Die Stadt haben die Schwestern sich als luftige Sehnsuchts-Skyline ganz oben ins Kinderzimmer gehängt, das Landleben läuft als stummes Baumrauschen auf dem Flachbildschirm, obwohl man es vor der Tür doch gefühlsintensiver hätte. Wie Aufziehpuppen hasten die Bewohner durch ihr Gut, das Theun Mosk im Schauspielhaus
Bochum über vier Etagen als pittoreskes...
Wer mit Schnitzlers «Das weite Land» von 1911 seine Intendanz eröffnet, muss einen guten Grund haben. Sucht Martin Kusej in München ein bisschen Seelengetümmel aus dem Sommerleben saturierter Wiener Bürger der Gründerzeit? Eine Portion Beobachtungspsychologie aus dem gerade noch vorfreudianischen Zeitalter? Ein halbes Dutzend melancholische Kaffeehaus-Sottisen...
