Talkshowtheater
Wie stellen sich die Theater den Zumutungen der Tagesaktualität? In der Flüchtlingskrise wird die Infrastruktur der Stadttheater an vielen Orten genutzt, um politische Diskussionen zu organisieren. Das Schauspiel Köln wählt einen Mittelweg zwischen Kunst und Politik: Nach dem Debattenfeuilleton kommt das Debattentheater.
Ein Katarakt von rasenden Bildern mit religiösen Konnotationen stürmt zunächst auf die Zuschauer ein: Gott und Gewalt gehören in den Medien zusammen. Dann lange Stille. Das Ensemble sieht uns an. Mehr nicht.
Nachdenklichkeit gegen mediale Hysterisierung signalisiert der Beginn von Nuran David Calis’ «Glaubenskämpfer»-Projekt.
Groß ist die Unkenntnis, groß ist der Bedarf an Unterrichtung. Die Religionen kennen sich nicht gegenseitig, und die säkulare Gesellschaft kennt die Religionen nicht. Also braucht man Kundige. Aber keine Verkündigung, sondern Einblicke. Nicht wissenschaftliche Fachleute sind gefragt, sondern Laien, nicht objektivierte Analyse, sondern beobachtbare Authentizität – der jedem Fernsehzuschauer angenehm vertraute Voyeurismus, Menschen zuzusehen, die freiwillig ihre «private parts» entblößen.
Schauspieler fragen, Gläubige antworten
Das ist Calis’ ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Gerhard Preußer
Es ist die westliche Bühnen-Universalkeule für alle Fragen von Aufklärung und Religionstoleranz: Kaum ein Stück wurde nach dem 11. September in Deutschland häufiger gespielt als Lessings «Nathan der Weise». Volker Lösch thematisiert listig die Schwierigkeiten eines Textes, der seit Jahrhunderten als Bollwerk der westlichen Aufklärung behandelt wird und von dem...
So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich...
Garantiert anspielungsfrei, aktualitätsresistent und gegenwartsabstinent ist diese Aufführung. Keine Wirtschaftskrise, kein Dschihad und kein Flüchtling trübt die grundschwarze Bühne. Das Spiel kreist, meist aufgeregt, um sich selbst. Natürlich stellt man sich, als Kritiker zumal, bedenklich die Frage, was das soll.
Der «Revisor» ist eine Entlarvungsgeschichte aus...
