Talking heads, walking stones

nach Ray Bradbury «Die Chroniken vom Mars» am Schauspielhaus Basel

Theater heute - Logo

Der Boden im Basler Schauspielhaus ist grün, die fünf Männchen, die auf die Bühne kommen, auch. Komplett, von den Füßen bis zu den Haarspitzen. Nur einer nicht, der hat zwar einen grünen Schal um den Hals geschlungen, trägt sonst aber schnieken Anzug. Die anderen: fünf Marsmännchen. Hier werden «Die Chroniken vom Mars» gegeben, in denen Ray Bradbury die Geschichte der Besiedlung des roten Planeten von der Ankunft der ersten Menschen bis zur totalen Inbesitznahme erzählt, ohne dabei seine 28 Kurzgeschichten mit einem durchgehenden Handlungsfaden zu verbinden.

Der Clou des Basler Abends: Regisseur Philippe Quesne lässt seine sechs Schauspieler:in -nen zeigen, wie aus dem Stoff ein Film entstehen könnte. Das Setting, der «Green Screen» (Bühne und Kostüme Philippe Quesne), erlaubt, die Szenen in Echtzeit vor andere Hintergründe zu montieren. Da sitzen die Schauspieler:innen etwa mit Gitarren auf dem grünen Bühnenboden; aber ein Film zeigt sie lagernd um ein Feuer vor Westernkulisse.

Auch der Ausdruck «Talking Heads» erhält eine neue Bedeutung, wenn Annika Meier und Gala Othero Winter nur ihre Gesichter aus den grünen Anzügen hervorblicken lassen, die dann zwar sprechend, aber ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Valeria Heintges

Weitere Beiträge
Angst vor Frauen

«Eine Irre bist du, eine Trudnerin», brüllt ein ungnädig-frustrierter Schwiegersohn (Jeremias Beckford) über die Studiobühnen-Rampe des Bamberger ETA Hoffmann Theaters. Und es dauert nicht lange, bis er die Adressatin der Beschimpfung – seine verhasste Schwiegermutter, die in Gestalt der Schauspielerin Martina Dähne zu diesem Zeitpunkt noch unerschrocken-tough...

Entsolidarisierungsqualen

Im Englischen beschreibt das schöne Wort «overstuffed» bemerkenswert unterschiedliche Zustände. Es kann sich ganz materiell etwa auf ein Regal beziehen, dessen Bretter unter der Last zu vieler Dinge durchhängen. Positiv gewendet mag aber auch ein besonders komfortabel gepolsterter Sessel so beschrieben werden, und auch ein Buch ist «overstuffed», wenn es zu viele...

Von Mannstrümmern und Überlebenskünstlerinnen

Sie erscheint von Anfang an brüchig, die Selbstherrlichkeit, mit der Thomas Schmauser als «Baumeister Solness» noch vor dem Eisernen Vorhang seine Erfolge bilanziert – mit Worten, die Yves Saint Laurent, ein anderer großer, zeitlebens von Depressionen und Selbstzweifeln geplagter Kreativer auf seiner Abschieds-Pressekonferenz wählte: «Jeder Mensch braucht seine...