Talent zur Transparenz

Das Prinzip Positionswechsel ist für Bastian Trost mehr als eine Performance-Spielregel von Gob Squad

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In «Live Long and Prosper», einem ihrer selbst kreierten, produzierten und gedrehten Filme, heißt die Anweisung an einen der sieben Mitspieler: «closer to». Näher zu was? Zu sich selbst, zu der im Spiel leichthin erreichbaren Wirklichkeitserfassung, zum Ernst des Lebens, zum Abstand zwischen Kunst und Realität? Die Gruppe Gob Squad streift scheinbar planlos durch Berlin, um dann im Waschsalon, in Kaufhaus-Galerien, auf dem Weihnachtsmarkt, an Überall-und-nirgends-Orten Filmszenen – Todesszenen – nachzustellen.

Bastian Trost tritt auf der per Split Screen geteilten Leinwand als Double neben Dustin Hoffman in John Schlesingers «Asphalt Cowboy» von 1969, einer Wegmarke des New-Hollywood-Kinos, oder inszeniert sich in den Trivialmythos von Lex Barker als Old Shatterhand hinein, der den sterbenden Winnetou Pierre Brice wie eine Pietà in den Armen hält. 

Der bewusst ungelenke Antiheld wird zum Protagonisten. Der Herois­mus, den die Zelluloid-Ware offeriert, zerschellt an vermittelten, falschen, idealisierten und existenziellen Erfahrungen, während Wagners Liebestod aus dem «Tristan» aufrauscht. Ergriffenheit, so zeigen die Frauen und Männer von Gob Squad, wird zum Ergreifen dessen, was ...

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Theater heute November 2019
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Andreas Wilink

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