Die Wunden zeigen

Das ideale Theater ist eine Übung im Sterben, meint Susanne Kennedy

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Das Bedürfnis, in einen Raum treten zu können, der einen umfasst und umschließt. Eine Art Krankenzimmer, in dem man seine Wunde offenbaren kann.

* Dieser Vorgang des «Wundezeigens» ist wie eine Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit, und dabei erfährt man gleichzeitig Heilung.

* Ein Raum, in dem ein Ausnahmezustand herrscht, ein Ausnahmeraum, in dem wir gemeinsam das Leiden erproben können: über diese Körper, die vor uns stehen und sprechen oder auch nicht sprechen.

Die verrenkten, ausgestellten Köper auf der Bühne, die wie Opfertiere und Priester gleichzeitig uns anbieten, ihnen irgendwohin zu folgen.

* Eine Übung im Sterben. Jeden Tag das Sterben üben; und vielleicht könnte das Theater, der dunkle Raum mit der erleuchteten Bühne, ein Ort sein, an dem wir zusammenkommen, um das Sterben gemeinsam zu üben? Die Körper dort sterben für uns im Spiel immer wieder aufs Neue. Und wir schauen zu und üben.

* Es ist, wie wenn man seine Muskeln dehnt. Da gibt es diesen Punkt, wo es weh tut, und der Impuls ist erst einmal, sich dem zu wider­setzen und dagegen zu stemmen. Das Paradoxe ist aber: Wenn man den Schmerz zulässt und sich ihm hingibt, dann tut es gleich weniger weh. Vielleicht ...

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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 106
von Susanne Kennedy

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Ich möchte Ihnen...