Die Leute aus der letzten Bank
TH Wir sitzen hier am Ende einer erfolgreichen Spielzeit, Ihrer ersten am Gorki Theater. Ihr Vorgänger Armin Petras hatte hier ein allseits geschätztes, sehr interessantes Theater gemacht, dass Sie sehr kurzfristig übernommen und gründlich umgekrempelt haben. Stadttheater sind ja eigentlich recht beharrliche Betriebe – wie geht das?
Shermin Langhoff Bei mir vor allem, weil das Wissen nicht vorhanden war, dass es schwierig werden könnte.
Jens Hillje Shermin war in der Situation, in der ich war, als ich dachte: Schaubühne zu machen ist doch toll ...
TH ...
das liegt aber schon ein Weilchen zurück.
Hillje Ja. Hätte man geahnt, was auf einen zukommt, hätte man sich das vielleicht zweimal überlegt.
Langhoff Ich übertreibe vielleicht ein bisschen. So ganz fremd waren mir die Strukturen natürlich nicht. Wir haben hier ein Haus vorgefunden mit 160 Mitarbeitern, einer Crew, die auch schon vor uns sehr gut funktioniert hat. Das hängt sicher mit der Größe zusammen: Alle kennen sich, begegnen sich, reden miteinander. Das ist kein anonymer Betrieb. Hier herrscht ziemlich viel Vertrauen, und die vielen langjährigen Mitarbeiter waren gute Leute. Das war erst einmal eine Basis.
Hillje Das war ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 40
von
Was macht Inszenierungen des Jahres aus? Tolle Schauspieler? Geniale Regisseure? Solide Subventionsverhältnisse? Klar doch! Aber da war doch noch etwas anderes.
Kritisches Theater, zum Beispiel.
Aber was ist das nun wieder? Und wie funktioniert es heute?
Aus der Theatervorstellung, die ich gestern besucht habe, bin ich aufs Seltsamste erfüllt von einem durch die Bewegungen und Nichtbewegungen, dem Sprechen und Nichtsprechen der Schauspieler in mich hineingepumpten Raumgefühl wieder hinausgewankt, so dass ich eben zum Beispiel erst gestern, nachdem ich einige Stunden mit diesem völlig neuen Raum- und Klanggefühl...
Von allem das Beste! 44 Kritiker haben wie jedes Jahr gedacht, gerungen, mit sich gekämpft, alle ästhetischen Maßstäbe geprüft und wenn nötig gesprengt, die sensiblen Nerven bis zur völligen Erschöpfung strapaziert, um zum Saisonschluss als letzte herkulische Anstrengung Bilanz zu ziehen, schwierigste, persönlichste und gleichzeitig allgemein gültigste...
