Subjekt, Skulptur, Symbol
Im ersten Raum sitzt ein Mann am Tisch und dreht einen Lolli zwischen den Fingern. Dort hingesetzt hat ihn unter dem Titel «Swap» («Tausch») der tschechische Konzeptkünstler Roman Ondak: Wer den Lutscher haben will, kann einen Gegenstand zum Tausch anbieten. Wenige Minuten später sind ein Filzstift, eine Visitenkarte, eine Banane, ein Pfandchip, eine Blechdose mit klapperndem Inhalt und ein Taschentuch über den Tisch und durch seine Hände gewandert.
– Im nächsten Raum steht – oder liegt? – ein anderer Mann minutenlang in einer Haltung, die den Gesetzen der Schwerkraft zufolge unmöglich ist. Die Zuschauer bücken sich zu ihm hinunter, suchen die unsichtbaren Fäden, die seinen von den Knien an weit nach hinten gebogenen Körper womöglich unsichtbar stützen. Unsichtbare Gewichte? Magie? Tatsächlich möchte der Künstler Xu Zhen mit seinen Menschenskulpturen «In Just a Blink of an Eye» auf die buchstäblich unhaltbare Situation chinesischer Wanderarbeiter aufmerksam machen.
Im dritten Raum stellt sich ein spindeldünnes Mädchen mit abstehenden Ohren und einer Lücke zwischen den Vorderzähnen dem Publikum als Kunstwerk vor, genauer gesagt: als vom Künstler Tino Seghal animierte Puppe namens ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 10
von Eva Behrendt
Da hatte ja einer jetzt eine ganz tolle Idee, zumindest fürs Theater. Herr Kehlmann hat gesagt: Alle Klassiker nur noch einmal inszenieren, und zwar richtig geradeaus, so wie es da steht. Zum Beispiel Hamlet: Stuhl, Totenkopf, Ophelia im Wasser, gucken, sprechen, fertig. In die Box, Siegel drauf und ab durch Deutschland. Die Leute sehen überall dasselbe und können...
Die Engländer können ihr Glück nicht recht fassen. Sie sitzen hüfttief in ihrer Double-Dip-Rezession, und doch fühlt sich die Nation so gut wie seit Jahrzehnten nicht: Alle haben ein kollektiv-seliges olympisches Lächeln auf den Lippen. Zwar waren noch die letzten Vorbereitungen ein Fest logistischer Pannen und Peinlichkeiten, doch mit Danny Boyles eklektischer...
Das erste Lothar-Gesicht, an das ich mich heute noch genau erinnere, gehört der gut zwanzigjährigen Suse. Sie spielt in Tankred Dorsts «Eisenhans» (1983) die behinderte Marga, die von ihrem Vater geliebt und missbraucht wird. Ein fatales Familiendrama aus dem Frankenwald, mit allen inzwischen aus Soaps und Reality-TV geläufigen, damals jedoch noch verstörenden...
