Subjekt, Skulptur, Symbol
Im ersten Raum sitzt ein Mann am Tisch und dreht einen Lolli zwischen den Fingern. Dort hingesetzt hat ihn unter dem Titel «Swap» («Tausch») der tschechische Konzeptkünstler Roman Ondak: Wer den Lutscher haben will, kann einen Gegenstand zum Tausch anbieten. Wenige Minuten später sind ein Filzstift, eine Visitenkarte, eine Banane, ein Pfandchip, eine Blechdose mit klapperndem Inhalt und ein Taschentuch über den Tisch und durch seine Hände gewandert.
– Im nächsten Raum steht – oder liegt? – ein anderer Mann minutenlang in einer Haltung, die den Gesetzen der Schwerkraft zufolge unmöglich ist. Die Zuschauer bücken sich zu ihm hinunter, suchen die unsichtbaren Fäden, die seinen von den Knien an weit nach hinten gebogenen Körper womöglich unsichtbar stützen. Unsichtbare Gewichte? Magie? Tatsächlich möchte der Künstler Xu Zhen mit seinen Menschenskulpturen «In Just a Blink of an Eye» auf die buchstäblich unhaltbare Situation chinesischer Wanderarbeiter aufmerksam machen.
Im dritten Raum stellt sich ein spindeldünnes Mädchen mit abstehenden Ohren und einer Lücke zwischen den Vorderzähnen dem Publikum als Kunstwerk vor, genauer gesagt: als vom Künstler Tino Seghal animierte Puppe namens ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 10
von Eva Behrendt
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Die vergangene Spielzeit am neuen Karlsruher Schauspiel stand im Zeichen großer, schwerblütiger Stoffe der Dramenliteratur. Auf Christian Dietrich Grabbes Schauerdrama «Herzog Theodor von Gothland» und Kleists «Die Hermannsschlacht» folgten die beiden ersten Teile von Franz Grillparzers «Das goldene Vlies»: ein Themenabend, in dem es um das Gebot der...
Wenn die Saison beginnt, darf Dr. Heinrich Faust nicht fehlen. Zum Beispiel in Frankfurt, wo Intendant Oliver Reese gerade ein Sparpaket akzeptiert und seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hat. Sein Jahresgehalt steigt dabei von 200.000 auf wundersame 240.000 Euro. Mehr über die Erfindung der Geldwirtschaft im ersten Akt von «Faust II»
Alvis Hermanis macht kein...
