Subjekt, Skulptur, Symbol
Im ersten Raum sitzt ein Mann am Tisch und dreht einen Lolli zwischen den Fingern. Dort hingesetzt hat ihn unter dem Titel «Swap» («Tausch») der tschechische Konzeptkünstler Roman Ondak: Wer den Lutscher haben will, kann einen Gegenstand zum Tausch anbieten. Wenige Minuten später sind ein Filzstift, eine Visitenkarte, eine Banane, ein Pfandchip, eine Blechdose mit klapperndem Inhalt und ein Taschentuch über den Tisch und durch seine Hände gewandert.
– Im nächsten Raum steht – oder liegt? – ein anderer Mann minutenlang in einer Haltung, die den Gesetzen der Schwerkraft zufolge unmöglich ist. Die Zuschauer bücken sich zu ihm hinunter, suchen die unsichtbaren Fäden, die seinen von den Knien an weit nach hinten gebogenen Körper womöglich unsichtbar stützen. Unsichtbare Gewichte? Magie? Tatsächlich möchte der Künstler Xu Zhen mit seinen Menschenskulpturen «In Just a Blink of an Eye» auf die buchstäblich unhaltbare Situation chinesischer Wanderarbeiter aufmerksam machen.
Im dritten Raum stellt sich ein spindeldünnes Mädchen mit abstehenden Ohren und einer Lücke zwischen den Vorderzähnen dem Publikum als Kunstwerk vor, genauer gesagt: als vom Künstler Tino Seghal animierte Puppe namens ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 10
von Eva Behrendt
Der Schauspieler Sven-Eric Bechtolf ist ein Ausnahmekönner. Der Regisseur Bechtolf hat sich, zumindest im Sprechtheater, nicht durchgesetzt. Und als Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele ist der Mann, seiner ersten Saison nach zu schließen, eine Fehlbesetzung.
Wie hatte es überhaupt so weit kommen können? Die Spur führt zurück ans Thalia Theater der 90er...
Auf die Idee hätte schon längst mal jemand kommen können: Im heißen Herzen der angesagtesten Kreativmeilen der Hauptstadt, wo nur die hipsten Hipster der internationalen Kunstszene operieren, also ungefähr ziemlich genau in der Pappelallee 15 am Prenzlauer Berg, wütet ein gefährliches Mainstream-Virus, das alle Gehirne infiltriert. Dieser phonetisch unscharfe...
Die Engländer können ihr Glück nicht recht fassen. Sie sitzen hüfttief in ihrer Double-Dip-Rezession, und doch fühlt sich die Nation so gut wie seit Jahrzehnten nicht: Alle haben ein kollektiv-seliges olympisches Lächeln auf den Lippen. Zwar waren noch die letzten Vorbereitungen ein Fest logistischer Pannen und Peinlichkeiten, doch mit Danny Boyles eklektischer...
