Stuttgart Staatsschauspiel: Jeder guckt für sich allein

Stefan Kaegi/Rimini Protokoll «Black Box. Phantomtheater für 1 Person»

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Es ist Sommer. Es ist Pandemie. Das Theater menschenleer. «Es wird nie wieder so sein wie früher», orakelt einem die strenge Stimme in die Ohren, während man sich, mit ipod und Kopfhörern ausgerüstet, auf eine interaktive Reise durchs Stuttgarter Schauspielhaus begibt – je eine Person im 5-Minuten-Abstand. Der Regisseur Stefan Kaegi vom Theaterkollektiv Rimini Protokoll nennt diesen Audio-Walk «Black Box.

Phantomtheater für 1 Person» – keine der vielen theatralen Notlösungen, die dem Shutdown folgten, sondern eine präzise ausgeführte, soghaft wirkende vielschichtige Reflektion der noch immer aussichtlos erscheinenden Situation.

Gezeigt wird die dornröschenschläfrige Ödnis im Theater, gleichzeitig aber wird der quir­lige Theateralltag, der unter normalen Bedingungen hätte stattfinden können, akustisch als Gespensterwelt zum Leben erweckt. Ein Blick zurück in die nahe Vergangenheit.

So irrt man alleine, aber gemäß unmissverständlicher Richtungsanweisungen der Stimme (Sylvana Krappatsch), durch die «Gedärme des Theaters», immer mit dem Gefühl, unter Beobachtung zu stehen: Da ist noch jemand, und dann ganz viele. Die eigenen Schritte, das selbst verursachte Quietschen der schweren ...

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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz

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