Gesten der Liebe

Die Arbeit von Pina Bausch gleicht einer vielschichtige Übersetzungsleistung: Gabriele Kleins Buch sucht einen neuen Forschungsansatz

Theater heute - Logo

Mit der Forschung zu Pina Bauschs Werk verhält es sich umgekehrt proportional zu ihrem Ruf. Als Choreografin ist sie weltberühmt und fast schon so etwas wie ein deutsches Kulturerbe, in der tanzwissenschaftlichen Forschung kommt sie fast gar nicht mehr vor. Nach einer ersten Erkundungswelle in den späten 1970er und 1980er Jahren, deren Erkenntnisse bis heute den Diskurs über die und die Wahrnehmung der Arbeit Pina Bauschs bestimmen, ist nicht mehr allzuviel Neues hinzugekommen.

So sind es neben Textsammlungen vor allem Fotobände, die das Bild des Tanztheaters Wuppertal prägen, prächtige Bildbände, die den stark visuellen Charakter der Arbeiten unterstreichen und als emotional aufgeladene Erinnerungsträger für eingeschworene Bausch-Fans dienen. Erst in jüngster Zeit sind wieder frische Impulse zu verzeichnen, die Bauschs Arbeiten im Kontext von Konzept- und postmedialer Kunst neu zu verstehen suchen. Gabriele Kleins Buch will in diesem Zusammenhang nichts weniger als einen Neuansatz in der tanzwissenschaftlichen Forschung generell und zu Pina Bausch im Besonderen leisten. Nebenbei ist ihre Monografie mit analytischem Tiefgang auch eine Liebeserklärung an das Tanztheater Wuppertal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Tanztheater, Seite 52
von Gerald Siegmund

Weitere Beiträge
Furcht vor der Liebe

Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.

Aber...

Oldenburg Staatstheater, Kleines Haus: Hamburger Kammerspiele

«In der heutigen Zeit möchten wir zur Entspannung leichte Musik.» / «Erheben Sie das Minderwertige doch nicht zum Symbol unserer Zeit!» / «Sie werden hiermit höflichst und inständigst gebeten, uns in Zukunft mit derartigem Quatsch zu verschonen.» Immunisiert sich Luise Voigt etwa gegen den erwarteten Shitstorm, indem sie noch vor Beginn ihrer Oldenburger «Draußen...

Schauspiel Leipzig, Residenz: Verstehen ohne Einverständnis

Es gibt nicht viel zu sehen bei «Last but not last». Einziges Requisit ist ein großes Buch, das auf einer Art Altar liegt und aus dem abwechselnd die beiden libanesischen Künstler Lina Majdalanie und Rabih Mroué auf Englisch im Erzählerstil vorlesen. Über ihnen erscheinen in Überblendungen Illustrationen von George Khoury, der diese Lecture-Performance im Stil...