Stuttgart: Panoptikum der Verlierer
Diese Inszenierung nervt. Sie ist laut, schrill, obszön. Sie veralbert und verschalkt ihre Figuren. Sie übertreibt in ihren Mitteln, scheint kein Maß und keine Sensibilität zu haben. Und doch trifft es die Inszenierung in einem Punkt genau: ein Grundgefühl dafür zu schaffen, was das Leben in Israel und Palästina ausmacht – immer am Abgrund, immer aber auch mitten im Sein. Es kann keine Normalität geben, wo Krieg und Frieden permanent ineinander verschlungen sind.
Aber es gibt menschliche Bedürfnisse, weil eben keine Bestien, sondern Männer und Frauen an diesen Fronten töten, sterben, lieben.
In «Mord», dem jetzt in Stuttgart erstaufgeführten Stück des 1999 verstorbenen israelischen Dramatikers Hanoch Levin, geht es natürlich um den ewig währenden Gewaltkreislauf, aber auch um den unbändigen Wunsch nach Leben, der beide Seiten eint. In einem Reigen von Begegnungen erzählt Levin vom kurzen Glück und langen Unglück, das die Menschen in dieser Region immer wieder befällt. Drei israelische Soldaten haben einen palästinensischen Jungen gefoltert und getötet, weil eben Krieg ist, und der Bote, der den Frieden ausruft, einen Augenblick zu spät kommt. Der Vater des Jungen wird aus Rache ein ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Kristin Becker
«Ein Drama in virtuellen und realen Räumen», so ist Volker Schmidts neuer Theatertext «Eigentlich schön» untertitelt. Darin geht es um die recht banale Geschichte einiger urbaner Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, von denen die einen mit den anderen zusammen sind und mit noch anderen fremdgehen. Ein Stück also um Liebe, Sex, Beziehung, Freundschaft,...
Zu Beginn ein gut halbstündiges, aufwändiges Herumwirtschaften in düsteren Räumen. Offenbar handelt es sich um Nonnenalltag in einem Kloster: stumme Szenen mit Krankenpflege, Mittagessen, Arbeit im Salatbeet. Alles minutenweise aufblitzend, nur schemenhaft sichtbar hinter halbdurchsichtigem Vorhang, unterbrochen von großem Kulissen-Geschiebe und Gerenne der...
Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary –...
