Streifzüge mit Rennpferden und Sirenen
Jodeln ertönt wie von fern. Dann klappen die Fensterläden auf und geben den Blick frei auf das dahinterliegende Grün des Flusses. Darin: drei Frauen mit Badehauben, schwimmend, singend. Singen vorüber, in kräftigen Zügen. Und für einen trügerischen Augenschein, einen Wimpernschlag lang erscheint es der Betrachterin, als schwämmen sie in einem grünen Bergsee und die Maininsel hinter ihnen sei sein Ufer. Doch nein, wir sind hier nicht im Gebirge, sondern in Frankfurt am Main.
Im Yachtklub, einem Boot mit Bar und Disco, das gemütlich am Mainufer dümpelt, hat die Regisseurin und Dramaturgin Friederike Thielmann die Sinnestäuschung eingerichtet – und die Gesänge der Alpen mitten in den Frankfurter Stadtraum hineingelegt; oder sollte man sagen: geschnitten? Vor Auge und Ohr der Betrachterin jedenfalls überlagern sich höchst heterogene Landschaften, Flachland und Gebirge, schneebedeckte Gipfel und gläserne Wolkenkratzer.
Selbstbehauptung der Freien Szene
«En Passant» heißt die Konzertperformance von Thielmann und den drei Sängerinnen und Performerinnen Elisabeth Gabriel, Liese Lyon und Johanna Milz. An einem milden Septemberabend eröffnete sie das Festival ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Junge Szene, Seite 45
von Esther Boldt
Die gute Nachricht zuerst: Es ist noch nicht zu spät. Verloren gegangen ist bisher erst wenig, und die Initiative zu einem «Archiv des Freien Theaters», die auf der Konzeptionskonferenz letzten Oktober im Münchner Literaturhaus präsentiert wurde, kommt damit zur richtigen Zeit, in der viele, die in den 1960er und 1970er Jahren begonnen haben, außerhalb der...
Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volksbühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten...
Der steirische Schriftsteller Peter Rosegger (1843–1918) war zu Lebzeiten ein internationaler Bestsellerautor und Nobelpreiskandidat. In der Steiermark ist er ein literarisches Nationalheiligtum, bis heute wird seine das Landleben verklärende Prosa («Als ich noch der Waldbauernbub war») touristisch vermarktet. Inwiefern Rosegger, dessen Texte auch vom ...
