Erinnerungen an die Revolution
Nicht wirklich lustig, vier Tage nach der Schockstarre, in die die US-Wahlen geführt hatten, lustig sein zu wollen. Mit einem Stück, in dem es um einen Egoisten geht, der der Frau seines Freundes in den Schritt greift und alle Prinzipien lustvoll über Bord wirft, wenn es ihm nützt. Der Egoist heißt Johann Fatzer, ersonnen hat ihn Bertolt Brecht vor knapp 90 Jahren auf rund 400 nie vollendeten Seiten voller Notizen und Diskursfetzen.
Ein halbes Jahrhundert später kompilierte Heiner Müller daraus eine Bühnenfassung, die Manfred Karge und Matthias Langhoff 1978 am Hamburger Schauspielhaus zur Uraufführung brachten. Mit mäßigem Erfolg. Den Regisseuren, meinte Heiner Müller seinerzeit, sei zu viel eingefallen, die Inszenierung sei nicht einfach gewesen.
Auch Jürgen Kuttner und Tom Kühnel haben in den Kammerspielen des Deutschen Theaters eine ganze Menge Ideen, die die Geschichte nicht einfacher machen. Kurz zusammengefasst, ginge sie so: Vier Deserteure, die sich im Jahr 1917 aus dem Kriegsstaub gemacht haben, warten in einer Mülheimer Wohnung und in der Hoffnung auf die kommende Revolution auf das Ende des Krieges und zerlegen dabei im Privaten das Politische nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Barbara Burckhardt
Bereits im Mai letzten Jahres schuf das polnische Außenministerium eine neue Grundlage für seine Kulturdiplomatie im Dienste von «Recht und Gerechtigkeit»: Die Botschaften, Konsulate und weltweit 24 Kulturinstitute sollten sich zukünftig «dem Erbe des politischen Denkens Lech Kaczynskis» verpflichten. Auf den ersten (ausländischen) Blick mag das als recht ...
Vater, Mutter, Tochter, Sohn sitzen zu Tisch. Heute gibt es Friede, Freude, Eierkuchen. Eigentlich gibt es immer Friede, Freude, Eierkuchen, wenn sich die Musterfamilie aus der Komödie des jungen Ostschweizers Philippe Heule am Theater Basel vereint. Papa lobt Mamas Küche, Maxi lobt Mamas Figur, Moni ihr neues Parfüm (also ihr eigenes, nicht Mamas), und alle...
Wer hätte gedacht, dass Christoph Marthaler und sein Team mal so richtig bitterernst werden können? Aber beim Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer hört der Spaß auf: «Die Wehleider» im Hamburger Schauspielhaus.
Wie wird ein gut integrierter junger Deutschtürke der zweiten Generation zum fanatischen Islamisten? Dazu muss man nur Nuran David Calis’ «Kuffar. Die...
