Straßenszenen und Bonustracks
Da stehen wir nun mit unseren Kopfhörern auf dem Braunschweiger Burgplatz und haben schon verstanden: Theater, das ist nicht mehr die Konfrontation mit einer Bühnenperformance, die dann mal mehr, mal weniger mit unserer Wirklichkeit zu tun hat, sondern Theater, das ist unsere Wirklichkeit. «Du bist die Stadt», lautet das Motto der diesjährigen Theaterformen. In der spanischen Produktion «Domini Públic.
Öffentlicher Raum» (Regie: Roger Bernat) auf dem Braunschweiger Burgplatz gibt es nicht mal mehr Darsteller, über die Kopfhörer erhal-ten wir Regieanweisungen, die uns zunächst in Gruppen einteilen, um dann richtig dramatisch zu werden.
Doch auch die Stadt selber als Kulisse unserer eigenen Performances bleibt bei diesem Festival nicht unangetastet. Im interaktiven Kunstprojekt «Home Sweet Home» des britischen Künstlerduos Abigail Conway und Lucy Hayhoe werden im Lichthof des Städtischen Museums die Grundstücke neu verteilt. Auf einem riesigen Stadtplan kann sich jeder Besucher selbst ein Grundstück kaufen und mit kleinen Pappmodellen bebauen. So entsteht aus dem spielerischen Ansatz das Modell eines neuen Braunschweigs, das doch erstaunlich viel mit dem alten zu tun hat. Denn ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 66
von
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den...
Manch langjähriger Burg-Abonnent soll schmerzlich zusammengezuckt sein, als er ansehen musste, wie der eine oder andere heilig rotsamtene Stuhl im Zuschauerraum von Joachim Meyerhoff sorgsam zerlegt wurde. Aber Robinson Crusoe strandet nicht von Ungefähr im hinteren Zuschauerrund des Wiener Theatertempels und muss sich trotz strengstem Denkmalschutz schließlich...
Jetzt geht er nach Beirut. Auch so eine Stadt, in der nach 16 Jahren Bürgerkrieg die Brachen reichlich sind. Brachen scheinen Matthias Lilienthal zu beflügeln. Und in Europa ist Berlin die Brachenstadt schlechthin, längst nicht mehr kriegs- und kaum noch wendebedingt, sondern vor allem als Folge eines einzigen Planungsdebakels: der neue Flughafen...
