Straßenszenen und Bonustracks
Da stehen wir nun mit unseren Kopfhörern auf dem Braunschweiger Burgplatz und haben schon verstanden: Theater, das ist nicht mehr die Konfrontation mit einer Bühnenperformance, die dann mal mehr, mal weniger mit unserer Wirklichkeit zu tun hat, sondern Theater, das ist unsere Wirklichkeit. «Du bist die Stadt», lautet das Motto der diesjährigen Theaterformen. In der spanischen Produktion «Domini Públic.
Öffentlicher Raum» (Regie: Roger Bernat) auf dem Braunschweiger Burgplatz gibt es nicht mal mehr Darsteller, über die Kopfhörer erhal-ten wir Regieanweisungen, die uns zunächst in Gruppen einteilen, um dann richtig dramatisch zu werden.
Doch auch die Stadt selber als Kulisse unserer eigenen Performances bleibt bei diesem Festival nicht unangetastet. Im interaktiven Kunstprojekt «Home Sweet Home» des britischen Künstlerduos Abigail Conway und Lucy Hayhoe werden im Lichthof des Städtischen Museums die Grundstücke neu verteilt. Auf einem riesigen Stadtplan kann sich jeder Besucher selbst ein Grundstück kaufen und mit kleinen Pappmodellen bebauen. So entsteht aus dem spielerischen Ansatz das Modell eines neuen Braunschweigs, das doch erstaunlich viel mit dem alten zu tun hat. Denn ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 66
von
Erst vor Kurzem beschäftigte das Stuttgarter Staatsschauspiel sich en passant mit Albert Camus’ «Die Gerechten» (1949). Im nahe gelegenen Tübingen folgte jetzt mit Jean-Paul Sartres «Die schmutzigen Hände» (1948) das nächste Stück rund um die Frage, ob der politische Mord zur Durchsetzung hehrer Ideale gerechtfertigt sei. In beiden Fällen greift ein mit linken...
So etwas kann natürlich auch gehörig schief gehen. Wenn bei angestrengter Gutmenschlichkeit nur noch die pure Ambition zu erkennen ist. Wenn die Bühne zum Infostand wird und das gute Gewissen zum Regiekonzept. Wenn man Hilfsbereitschaft mit Folklore garniert und am Ende multikulturelle Friedens- und Freudentänze aufführt. Wenn man Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und...
Der schönste Satz auf diesem großen Festival für neue europäische Dramatik stammte dann aber doch von William Shakespeare, aus «Cymbeline», eingelassen in den belgischen Beitrag «Die Gehängten»: «Golden lads and girls all must, as chimney-sweepers, come to dust.» Ein Vers wie ein Meteor, heiß aufglühend, kalt im Abgang, weit durch die Zeiten geschossen. Vom Tod,...
