Unsere verfickte Wut

Dirk Laucke «Silberhöhe gibts nich mehr»

Theater heute - Logo

Silberhöhe … Der Name schmilzt auf der Zunge. Vor Ort übliche Synonyme klingen weniger lieblich: Silberhölle, Silvercity, auch Hartz-IV-Ghetto. Gemeint ist dieses Neubaugebiet im Süden von Halle. Als hier noch boomendes Chemie-Gift die Gegend verseuchte, schossen die Plattenbauten wie Pilze aus dem Boden. Taiga ringsum. Von damals 39.000 Einwohnern leben heute noch 14.000 hier. Das sind die, die sich einen Wegzug nicht leisten können, die mit magerem Hartz IV-Salär bildungsfern vor Bierbuden rumhängen.

Im Auftrag von Halles Thalia-Theater suchte Dirk Laucke hier erneut nach Schicksalen in dieser schrumpfenden, schon aufgegebenen Region. Redete mit mehr als einem Dutzend junger Leute über ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Ängste. Vier blieben übrig. Laucke wollte Theater, die Jungs wollten Videos. So entstand der Versuch, mit der Kamera Impressionen von Silberhöhe einzufangen.
 

Auf der Bühne im «Kleinen Thalia», dem eine noch so sparsame Renovierung gut täte, gibt es eine Schräge mit Sofa und natürlich einen Bildschirm. In der Tonne inmitten des Raumes kokelt zu gegebener Zeit ein Feuerchen. Ein Mini-Bagger, ferngelenkt, kurvt den Spielern zwischen den Füßen, und wenn die Szenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2008
Rubrik: Chronik, Seite 72
von Erika Stephan

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Reich der sündigen Nabel

Der Mensch sei eine Bestie, behauptet der Dichter. Aber nacktbäuchig ist er doch recht lustig anzusehen, entgegnet der Theatermacher. Das ist so der Diskurs zwischen Stephan Bachmann (geboren 1966) und Pedro Calderón de la Barca (geboren 1600, gestorben 1681), den sich der Zirkuszeltbesucher in einem Park direkt am Alsterufer im eher geschniegelten Hamburger...

Zeltforschung für Europa

Eine verpasste Anschlussmaschine hätten diese Fluggäste zur Pflege ihrer Problemhaushalte eigentlich nicht mehr unbedingt gebraucht: Die Mittdreißigerin Zana weiß weder, wo ihr Mann ihre Hutschachtel vertrödelt hat noch, warum er ausgerechnet mit Stewardessen fremdgeht. Der Endsiebziger Oliver wurde soeben aus dem komfortablen Irrglauben gerissen, dass es...

Walk on the mild side

«Nix g’wies woas ma net», sagte die Dame hinter mir sehr gelassen beim Rausgehen und hatte damit das Wesentliche zusammengefasst. Dazu muss man sich allerdings in die Feinheiten der Münchner Grammatik begeben. Denn «nichts Genaues weiß man nicht» heißt eben trotz der doppelten Verneinung keineswegs, dass man was wüsste. Im Gegenteil: je doppelt verneinter, desto...