Solidarität und Schrecken

In Hamburg lässt Sebastian Hartmann fürs Thalia Theater «Gefährliche Liebschaften» freispielen, und Viktor Bodo verirrt sich fürs Deutsche Schauspielhaus in der «Stadt der Träumenden Bücher»

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Eines der Elemente, mit denen Sonja Anders, seit Saisonbeginn Intendantin am Hamburger Thalia Theater, gesellschaftliche Relevanz herstellen möchte, ist die subversive Kraft der Sexualität: die Idee, dass in Körper und Sex eine potenziell zerstörerische Gewalt steckt, die im Zweifel Ideologien zu überstrahlen in der Lage ist. Ausbaufähig zeigte sich dieser Ansatz noch bei der Eröffnungsinszenierung, Anne Lenks Shakespeare-Verjuxung «Was ihr wollt». Schon konsequenter erwies sich Ran Chai Barzvis «Frommer Tanz» in der Nebenspielstätte Gaußstraße.

Und den dritten Zugriff auf das Thema verantwortet Altmeister Sebastian Hartmann, mit seiner Dramatisierung von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Gefährliche Liebschaften».

Dabei hat Hartmann die bislang ästhetisch überzeugendste Arbeit der jungen Intendanz geschaffen, womöglich ist «Gefährliche Liebschaften» aber noch mehr: eine dunkle Antwort auf Anne Lenks Lustexplosion mit Shakespeare, eine Antwort, die Sexualität ernstnimmt, als Motivation zur Befreiung und als Last, als systemzerstörend und systemstabilisierend. Und in dieser Vielgestaltigkeit eben auch fürs Theater von großem Reiz. Womöglich haben Hartmann und Lenk hier zwei Seiten ...

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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Falk Schreiber

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