Solidarität und Schrecken
Eines der Elemente, mit denen Sonja Anders, seit Saisonbeginn Intendantin am Hamburger Thalia Theater, gesellschaftliche Relevanz herstellen möchte, ist die subversive Kraft der Sexualität: die Idee, dass in Körper und Sex eine potenziell zerstörerische Gewalt steckt, die im Zweifel Ideologien zu überstrahlen in der Lage ist. Ausbaufähig zeigte sich dieser Ansatz noch bei der Eröffnungsinszenierung, Anne Lenks Shakespeare-Verjuxung «Was ihr wollt». Schon konsequenter erwies sich Ran Chai Barzvis «Frommer Tanz» in der Nebenspielstätte Gaußstraße.
Und den dritten Zugriff auf das Thema verantwortet Altmeister Sebastian Hartmann, mit seiner Dramatisierung von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Gefährliche Liebschaften».
Dabei hat Hartmann die bislang ästhetisch überzeugendste Arbeit der jungen Intendanz geschaffen, womöglich ist «Gefährliche Liebschaften» aber noch mehr: eine dunkle Antwort auf Anne Lenks Lustexplosion mit Shakespeare, eine Antwort, die Sexualität ernstnimmt, als Motivation zur Befreiung und als Last, als systemzerstörend und systemstabilisierend. Und in dieser Vielgestaltigkeit eben auch fürs Theater von großem Reiz. Womöglich haben Hartmann und Lenk hier zwei Seiten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Falk Schreiber
Gemeinsam. Energie. Austausch. Öffnung. Begegnung. Intendantenlieblingsworte wie diese kommen Felix Rothenhäusler in Freiburg schon recht flüssig über die Lippen. Den langen Marsch durch die städtischen Institutionen hat er hinter sich (Begegnung!), Zukunftsprojekte sind angestoßen (gemeinsam!), das Publikum wurde im Spielzeitheft mit einer beherzt...
Es ist ein denkwürdiger Auftritt, den der südafrikanische Performance-Künstler Steven Cohen bei der 35. euro-scene in Leipzig hinlegt. Vor zwei Jahren war er schon einmal zu Gast in Leipzig, sein Auftritt im Schauspielhaus (mit «Put your heart under your feet ... and walk!») sorgte damals für Ohnmachtsanfälle, und seine kleinen Werke «Sphincterography» und «Deface»...
Hart ist gar kein Ausdruck für die Welt, in die die namenlosen Zwillingsjungen aus Ágota Kristófs Roman «Das große Heft» geworfen werden. Es herrscht Krieg, und ihre Mutter bringt sie, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, aus der bombardierten Stadt ins Dorf zur Großmutter. Deren Empathie hält sich in derart engen Grenzen, dass allein schon der Gebrauch dieser...
