Sog ins Bodenlose

Jon Fosse «Heiß»

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Entscheidend ist wieder mal die Frage, wo die Grenze zu ziehen ist. Und in welchem Kontext etwas stattfindet.

Also etwa: Wie lange darf ich vor dem Fernseher oder bei ebay abhängen, ohne in den Verdacht zu gera­ten, dies für abendfüllend zu halten? Oder: Bis zu welchem Alter kann sich ein arbeitsloser Akademiker glaubhaft als freischaffend ausgeben? Und, um etwas näher zum Thema vorzurücken: Wie viel muss ein Text bieten, um noch als Angebot und nicht nur als Projektionsfläche zu funktionieren?

Bei Jon Fosses Stück «Heiß», das Ende September im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt wurde, ist das nicht wirklich zu beantworten. Schon in seinen früheren Stücken ließ der 46-jährige Norweger das meiste unausgesprochen und war die dramatische Bewegung eher ein tastendes Kreisen auf engstem Raum. Diesmal aber, in seinem Auftragswerk für das DT, zielt er direkt auf das Nichts. Da ist keine Geschichte, bloß eine Situation, kein Hintergrund, bloß Fragen und Halbsätze, keine Entwicklung. Oder vielleicht doch? Aber da fängt schon die Projektion an, und für die macht an guten Tagen einfach alles etwas her.

Zwei Männer treffen sich an einem Kai. Sie vermuten, sich zu kennen, können sich ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Chronik, Seite 38
von Petra Kohse

Vergriffen
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