Sog ins Bodenlose
Entscheidend ist wieder mal die Frage, wo die Grenze zu ziehen ist. Und in welchem Kontext etwas stattfindet.
Also etwa: Wie lange darf ich vor dem Fernseher oder bei ebay abhängen, ohne in den Verdacht zu geraten, dies für abendfüllend zu halten? Oder: Bis zu welchem Alter kann sich ein arbeitsloser Akademiker glaubhaft als freischaffend ausgeben? Und, um etwas näher zum Thema vorzurücken: Wie viel muss ein Text bieten, um noch als Angebot und nicht nur als Projektionsfläche zu funktionieren?
Bei Jon Fosses Stück «Heiß», das Ende September im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt wurde, ist das nicht wirklich zu beantworten. Schon in seinen früheren Stücken ließ der 46-jährige Norweger das meiste unausgesprochen und war die dramatische Bewegung eher ein tastendes Kreisen auf engstem Raum. Diesmal aber, in seinem Auftragswerk für das DT, zielt er direkt auf das Nichts. Da ist keine Geschichte, bloß eine Situation, kein Hintergrund, bloß Fragen und Halbsätze, keine Entwicklung. Oder vielleicht doch? Aber da fängt schon die Projektion an, und für die macht an guten Tagen einfach alles etwas her.
Zwei Männer treffen sich an einem Kai. Sie vermuten, sich zu kennen, können sich ...
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Oft, wenn Tim Staffel einen bekannten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meisterwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte...
Wer Hans Christian Andersens anlässlich seines 200. Geburtsjahres gedenkt, dem fallen zwar Streichholzmädchen, Seejungfrauen und Schneeköniginnen ein, aber keine einzige Dramenfigur. So bekannt der dänische Dichter als Märchenerzähler ist, so wenig weiß man über ihn als Theaterautor, der die Bühne glücklos liebte und insgesamt immerhin rund 40 Schauspiele und...
Duftspray duftet, weil der Mensch bisweilen stinkt. Und ein Lustspiel macht sich lustig, weil der Mensch bisweilen stänkert. Nun hat das eine mit dem anderen wenig zu tun, es sei denn, Herbert Fritsch inszeniert den «Geizigen» in Luzern. Der Regisseur lässt das Parkett im Prolog mit einer WC-frisch-verdächtigen Parfümwolke einnebeln. «Viel Spaß», wünscht der...
