Skeptische Subjektauflösung
Spätestens seit Hans-Thies Lehmanns 1999 erschienenem Standardwerk «Postdramatisches Theater» gilt die Postdramatik als prägende Ästhetik auf den deutschsprachigen Bühnen. Bemerkenswert allerdings, dass nie so ganz klar ist, wer im Theater nun eigentlich postdramatisch arbeitet – der Begriff läuft Gefahr, ein Phantom zu werden, das auf so ziemlich jede:n zeitgenössische:n Theatermacher:in angewandt werden kann.
Strukturalistische Theoriefestigkeit, Skepsis gegenüber Einfühlungsspiel und eine formale Tendenz zum Repetitiven findet man immerhin auch bei Thomas Ostermeier, Leander Haußmann und Jan Bosse, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren dürften, als postdramatisch etikettiert zu werden.
Die Kunststiftung NRW gibt die Reihe «Postdramatisches Theater in Porträts» heraus, die den Begriff über seine Protagonist:innen zu fassen versucht. Seit 2019 sind sechs Bücher erschienen, über so unterschiedliche Künstler:innen wie Monika Gintersdorfer, andcompany&Co. und Gob Squad. Tatsächlich die Gattung (wenn es denn eine ist) definieren die schmalen Bände nicht, zu unterschiedlich sind die Biografien, Arbeitsweisen und ästhetischen Einflüsse der Porträtierten (auch wenn man als ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 53
von Falk Schreiber
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