Silvia Stammen: In der Cafeteria des Todes
Am Abend der Premiere von «Atropa» an den Münchner Kammerspielen rollen die letzten Panzer der US-Army in Richtung kuwaitische Grenze aus dem Irak. Fast zehn Jahre Krieg, 4.500 gefallene Soldaten, 114.000 getötete Zivilisten, ein noch immer zutiefst destabilisiertes Land – die ernüchternde Bilanz eines Krieges, der angeblich zur Verteidigung westlicher Werte und Kultur geführt wurde. Da brachte der Trojanische Krieg, so er denn um circa 1100 v. Chr.
tatsächlich stattgefunden hat, ein besseres Ergebnis für die siegreichen Griechen, immerhin war die militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft über das Ägäische Meer für einige Zeit gesichert. Doch an der Tatsache, dass Kriege nach wie vor überwiegend aus Kalkül und eher selten aus reiner Notwehr geführt werden, hat sich nicht viel geändert.
Über die Bande des Mythos gespielt
Atropa belladonna, die tödliche Tollkirsche, deren Saft, in die Augen geträufelt, den Blick verschleiert und besonders verführerisch machen soll, ist selbst nach der griechischen Schicksalsgöttin und Lebensfadenabschneiderin Atropos benannt und eine treffende Namensgeberin für ein Stück, das die Taktik der Verblendung und Schönrednerei in Verbindung mit der ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen
Welches Bild soll es sein? Welche optisch-szenischen Übersetzungen will das Theater finden für die Texte, von und mit denen es lebt? Gestaltet es die Welten für die Bühne bloß routiniert – oder setzt es auf Behauptungen, die den Inszenierungen Orientierung geben? Wann und wo beginnt die Handschrift der Bühne; für jeden Bühnenbildner, jede Bühnenbildnerin – und für...
Paulus Manker, Schauspieler und Theatermacher vor allem in Wien, ist seit dem umfassenden, mit Bildmaterial und Dokumenten reichlich ausgestatteten sowie kompetent kommentierten Theaterbuch über seinen Vater Gustav Manker auch ein passionierter Theaterhistoriker. Ihn treibt die Frage, ob Theaterleute, die 1933 nicht gezwungen waren, ins Exil zu gehen, nur...
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor...
