Lola, liebe Lola
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor allem aber erinnere ich mich an deine unausrottbare Liebe zum Theater, da mochte der Zeitgeist banale Schwankungen hervorrufen, das war dir egal, du bliebst verfangen, hattest eine amour fou fürs Leben, und der bliebst du treu.
Zwei Theaterseelen wohnten in deiner Brust, die eine diente der leichtfüßigen Schau–spielkunst mit dem Lied auf der Lippe, so spieltest und sangst du «Hello, Dolly», «Kiss me Kate», «Feuerwerk», gefährlich schön, verführerisch, verspielt; die andere schleppte sich ab am Material, aus dem die Tragödien gemacht sind, du warst «Medea», «Penthesilea», «Klytaimnestra», verführt, gefährdet, gefährlich.
Als Klytaimnestra bin ich dir begegnet, ich, Elektra, Vatertochter, die den Muttermord konzipiert und dem kleinem Bruder das Beil in die Hand drückt. Da kamst du an, geschmückt, weiß-gold glänzend, gekrönt ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Magazin: Nachruf, Seite 63
von Elisabeth Trissenaar
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