Shakespeares gesammelter Sturm (leicht gekürzt)
Schon ein Blick auf den Theaterzettel verrät, dass einen in Barbara Freys Inszenierung kein konventioneller «Sturm» erwartet: Der Titel des Stücks hat seinen bestimmten Artikel verloren, und auf der Besetzungsliste finden sich nur drei Schauspieler. Nur Prospero, Ariel und Caliban haben das Massaker der Strichfassung überlebt.
Die Bühne (Bettina Meyer) ist karg dekoriert: Windschief hängen sinnlos ein paar abstrakte schwarze Kulissenteile herum, eine Stange dient dem Luftgeist Ariel zum Auf- und Abtritt, Mittelpunkt des Geschehens ist ein großer (Lesebühnen-) Tisch, auf dem sich Prosperos Bücher stapeln.
Melancholisch und unendlich müde betritt Johann Adam Oest die Szene, zieht eine Königsrobe über, die wie ein verschlissener Bademantel aussieht, setzt sich an den Tisch und macht sich an die Arbeit. Er rezitiert ein herbstliches Shakespeare-Sonett («Die Zeit des Jahres siehst du in mir …»), erklärt kurz die (nicht) auftretenden Personen der Handlung und fasst die Vorgeschichte zusammen. Klar scheint damit erstens, dass dieser Prospero kein gefallener Herzog und kein Zauberer ist, sondern Gott – oder zumindest dessen literarischer Stellvertreter auf Erden: der Autor. Und zweitens: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der amerikanische Videokünstler Chris Kondek beliefert das deutschsprachige Theater mit visuellen Reizen und zeigt in seinen interaktiven Lehrstücken, wie man aus dem Geld der Zuschauer eine gute Performance machen kann.
Nicht etwa ein schickes High-Tech-Labor, sondern ein schlichtes Atelier, um nicht zu sagen eine Rumpelkammer im zweiten Stock eines alten...
Der Monolog, das große Solo, ist die Königsdisziplin für Schauspieler. Einmal allein vor dem Publikum stehen und so tun, als wäre es nicht da: allein sein mit dem Text, versinken in das Sprachmaterial, aufgehen in innerer Erfahrung. Der New Yorker Schauspieler Harvey Keitel, bekannt aus Filmen von Martin Scorsese bis Quentin Tarantino, bekommt dieses große Solo in...
Ariane Mnouchkine hat den gepflegten Realismus des bürgerlichen Theaters seit jeher verachtet – stets zog sie das Spektakel großer Formen und Emotionen der fein ziselierten Bühnenpsychologie des Kammerspiels vor. Entsprechend orientierte sich das opulente Volkstheater des Théâtre du Soleil eher an Zirkusclowns und -artisten als an der Schauspielkunst der...
