Liebe ohne Leiden
Hier gibt’s keine Revolution. Als Lessing seine «Emilia Galotti» schrieb, überlegte er noch, ob er die Tötung der Tochter durch den Vater in einen Volksaufstand münden lassen sollte; der antike Historiker Livius hatte es so aufgeschrieben. Erst wollte Lessing die Politik ganz draußen lassen, dann schlich sie sich doch ins Stück hinein: Der Vater rettet die Ehre seiner Tochter, indem er sie umbringt, die Revolution bleibt aus, aber der Adel, die Herrscherschicht, hat die Familie zerstört. Und nun, in Augsburg, gibt es keine Schichten, keinen Adel, aber einige Schurken und viel Tadel.
Alle lieben, alle leiden, am Ende ist Emilia tot, und die Figuren des Stücks treffen sich zur Vernissage ihres Abbilds. Alle sind irgendwie Bürger, also ist es ein bürgerliches Trauerspiel.
Mit seiner «Clavigo»-Auffrischung hatte Jan Philipp Gloger, Jahrgang 1981, den Regiepreis der Bayerischen Theatertage ans Augsburger Stadttheater geholt. Nun nahm er sich den nächsten Klassiker vor, seltsam genug für einen, der unter anderem in Gießen studierte. Aber auch irgendwie folgerichtig, weil Gloger versucht, alte Texte heutig zu machen, ohne sie in der Sprache zu verändern. Gut, in seiner «Emilia» fallen ...
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Denn erstens schaut der entstandene Film dem Stadttheater in schönen, blaustichigen Bildern bei der Probenarbeit zu. Er folgt der Autorin zu ihren Gesprächen und der Regisseurin nach Hause ins Wohnimmer, lässt Schauspieler ihr Handwerk zeigen, mitreden und privat zu Wort kommen, dokumentiert Krisen zwischen Regie und zweifelndem Ensemble. Zweitens entsteht wie...
Amerikanische Dramatiker lieben es, wenn sie beim Schreiben dreckige Hände kriegen. Mit Hingabe buddeln sie tief, um epische Groß- und Kleinfamilien durch den Morast ihrer Beziehungsgeschichten zu schicken, lassen die Leichen im Keller lange Schatten werfen und weiden Lebenslügen bis zur Katastrophe aus. Zur Liga von Tennessee Williams, Eugene O’Neill, Arthur...
Die neue Saison war noch keine acht Wochen alt, da stand es für das Feuilleton einer überregionalen Zeitung schon fest: Die Berliner Bühnen stecken in der Krise. Das Deutsche Theater, eben noch in Bernd Wilms’ letzter Spielzeit zum «Theater des Jahres» gekürt, unter Interims-Intendant Oliver Reese wegen Renovierung des Großen Hauses auf Zelt und Kammerspiele...
