Liebe ohne Leiden

Lessing «Emilia Galotti»

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Hier gibt’s keine Revolution. Als Lessing seine «Emilia Galotti» schrieb, überlegte er noch, ob er die Tötung der Tochter durch den Vater in einen Volksaufstand münden lassen sollte; der antike Historiker Livius hatte es so aufgeschrieben. Erst wollte Lessing die Politik ganz draußen lassen, dann schlich sie sich doch ins Stück hinein: Der Vater rettet die Ehre seiner Tochter, indem er sie umbringt, die Revolution bleibt aus, aber der Adel, die Herrscherschicht, hat die Familie zerstört. Und nun, in Augsburg, gibt es keine Schichten, keinen Adel, aber einige Schurken und viel Tadel.

Alle lieben, alle leiden, am Ende ist Emilia tot, und die Figuren des Stücks treffen sich zur Vernissage ihres Abbilds. Alle sind irgendwie Bürger, also ist es ein bürgerliches Trauerspiel. 

Mit seiner «Clavigo»-Auffrischung hatte Jan Philipp Gloger, Jahrgang 1981, den Regiepreis der Bayerischen Theatertage ans Augsburger Stadttheater geholt. Nun nahm er sich den nächsten Klassiker vor, seltsam genug für einen, der unter anderem in Gießen studierte. Aber auch irgendwie folgerichtig, weil Gloger versucht, alte Texte heutig zu machen, ohne sie in der Sprache zu verändern. Gut, in seiner «Emilia» fallen ...

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Theater heute Januar 2009
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Egbert Tholl

Vergriffen
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