Serdei Vanaev «Carmen-Suite/Le Sacre du Printemps»
Plauens schmuckes, 1898 eingeweihtes Vogtlandtheater mit seinem säulenbewehrten Portikus und aufwallende Emotionen von heute sind kein Widerspruch: Gefühle existieren zu jeder Zeit, nur ihre choreografische Formung unterscheidet sich. Für diese Formgebung an der 2000 mit Zwickau fusionierten Bühne steht seit 2022 der gebürtige Moskauer Sergei Vanaev, den es nach erfüllter Tänzerkarriere und 17 Jahren Bremerhavener Ballettdirektion ins Vogtland zog.
Mit einem Doppelabend, der jetzt nach Zwickau weiterzieht, riss er das Premierenpublikum der 65 000-Einwohner-Stadt zu stehenden Ovationen hin.
Eine 2007 mit dem «Maya-Plisetskaya-Award» ausgezeichnete, nun angepasste Inszenierung bildet den Auftakt. Rodion Schtschedrins kompakte «Carmen-Suite» gerät bei Vanaev, trotz der Volantkleider, nicht zum rassigen Spanien-Klischee, sondern zum siedend heißen Drama über die Zwanghaftigkeit von Liebe und Tod. Zwei Schicksalswesen im Skelett-Look zwingen die salutierende Marionette José und das rauchende Zigaretten-Mädchen zusammen, nur allmählich keimt bei ihm Liebe auf, während sie den Torero Escamillo anhimmelt. Der fällt in der Arena, ungewöhnlich, einer fulminanten Stier-Frau zum Opfer und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2026
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Volkmar Draeger
Amsterdam
BEAUJEAN, BRANDSEN, RAGHURAMAN, SRINIVASAN «LA BAYADÈRE»
Keine einfache Mission, die sich die Vizedirektorin von Het Nationale Ballet in Amsterdam, Rachel Beaujean (tanz 3/26), und Direktor Ted Brandsen vorgenommen hatten: eine dekoloniale Version von «La Bayadère» (1877), die Höhepunkte des zweiten Akts beibehält, aber die indische Kultur nicht...
Dem Format der Pitchings haftet etwas von Trostpreis an: Die künstlerischen Arbeiten bzw. Methoden gelten als interessant, reichen aber nicht für einen abendfüllenden Slot im Showcase. Und doch sind sie für Kurator*innen eigentlich echte Fundorte: weniger fertige Produkte als ein Denken in Bewegung – bei gleichzeitiger Nähe zu den Künstler*innen.
Sichtbarkeit und...
Chelsea, 1926: In einem kleinen Studio in Roland Gardens gründet Ninette de Valois die Academy of Choreographic Art. Nachdem sie zwei Jahre lang in Serge Diaghilevs Ballets Russes getanzt und dessen Führungsstil genauestens beobachtet hat, ist sie entschlossen, ihre Vision von einer nationalen Ballettschule und Compagnie in England zu verwirklichen. Mit...
