Feuer, Armut und Hölle
Es ist ein Has’ entsprungen. Der Wächter und Chorführer im Horror-Haus der Atriden trägt Hasen-Ohren. In der Nähe des Schauspielers, der wie elektrisch aufgeladen an Strippen hängt und später von seinem Blut überschwemmt wird, steht noch eine putzig kleine Figurengruppe von Vorgarten-Hasen. Beuys und Schlingensief haben das Totemtier, das ikonografisch für den Heiland, für Wiedergeburt, Tod und Auferstehung steht, in ihre Kunst-Religion integriert. Nun auch Romeo Castellucci in seiner erzkatholischen Liturgie des Archaischen.
Nach den «Glieder beschwerenden Gefechten» vor Trojas Mauern kehrt Agamemnon heim, schuldbeladen durch die Opferung seiner Tochter Iphigenie. Der Frevel wird ihn das Leben kosten. An der Rampe des Ruhrfestspielhauses segelt eine Flotte Spielzeugschiffe entlang. Das Festival-Motto im 70. Recklinghauser Jubiläumsjahr lautete «Mare Nostrum?». Europas Geburtswasser wirbelte die Antike, das griechische Erbe, das lateinische Mittelalter, Italiens Hochkultur auf und brach sich in Wellen an den Gegenwartskonflikten.
Nackt, bloß, fett: Castelluccis «Orestie»
Der Filmprojektor auf nachtdunkler Bühne ist als einziges matt beleuchtet. Der Apparat wirft lodernde ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Festivals, Seite 38
von Andreas Wilink
Ganz ehrlich, vor vier Jahren hätte ich nicht unbedingt darauf gewettet, dass der blauäugige Junge mit dem verstrubbelten Blondschopf, der da mit Charme und Chuzpe zum ersten Mal in einer Hauptrolle über die Bühne des Münchner Residenztheaters hechtete, schon bald als Ausnahmespieler von sich reden machen würde. Gefeiert wurde er schon damals von seinem...
Aachen, Grenzlandtheater
19.8. Reza, Der Gott des Gemetzels
R. Catharina Fillers
26.9. Steinbeck, Von Mäusen und Menschen
R. Ulrich Wiggers
Aachen, Theater
22.9. Kling, Die Känguru-Chroniken
R. Matthias Fuhrmeister
23.9. nach Haushofer, Die Wand
R. Paul-Georg Dittrich
Altenburg/Gera, TPT
23.9. Brecht/Dessau, Mutter Courage und ihre Kinder
R. Turgay Dogan
23.9....
Die russische Seele ist ein schwarzes Loch. Und zwar eines ohne Boden. Ob Wodka, Rubel oder Moral – alles versickert auf Nimmerwiedersehen. In Stuttgart sind es genau genommen gleich zwei schwarze Löcher, gebildet von den Augenhöhlen eines riesigen Schädels, der in der Bühnenmitte thront. Dieser Schädel, militärisch behelmt und mit Schutzbrille, ist Spielort und...
