Feuer, Armut und Hölle
Es ist ein Has’ entsprungen. Der Wächter und Chorführer im Horror-Haus der Atriden trägt Hasen-Ohren. In der Nähe des Schauspielers, der wie elektrisch aufgeladen an Strippen hängt und später von seinem Blut überschwemmt wird, steht noch eine putzig kleine Figurengruppe von Vorgarten-Hasen. Beuys und Schlingensief haben das Totemtier, das ikonografisch für den Heiland, für Wiedergeburt, Tod und Auferstehung steht, in ihre Kunst-Religion integriert. Nun auch Romeo Castellucci in seiner erzkatholischen Liturgie des Archaischen.
Nach den «Glieder beschwerenden Gefechten» vor Trojas Mauern kehrt Agamemnon heim, schuldbeladen durch die Opferung seiner Tochter Iphigenie. Der Frevel wird ihn das Leben kosten. An der Rampe des Ruhrfestspielhauses segelt eine Flotte Spielzeugschiffe entlang. Das Festival-Motto im 70. Recklinghauser Jubiläumsjahr lautete «Mare Nostrum?». Europas Geburtswasser wirbelte die Antike, das griechische Erbe, das lateinische Mittelalter, Italiens Hochkultur auf und brach sich in Wellen an den Gegenwartskonflikten.
Nackt, bloß, fett: Castelluccis «Orestie»
Der Filmprojektor auf nachtdunkler Bühne ist als einziges matt beleuchtet. Der Apparat wirft lodernde ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Festivals, Seite 38
von Andreas Wilink
Schluss. Aus. Ende. Am 19. Juni ein letzter «Liebestrank», seitdem ist es still im Großen Haus des Theaters Augsburg. Der Grund für die vorzeitige Schließung: Untersuchungen zur geplanten Sanierung förderten bisher unbekannte massive Mängel beim Brandschutz zu Tage. Für Intendantin Juliane Votteler und ihr Team bedeutet das, überstürzt nach Ausweichspielstätten zu...
Von wegen Theaterferien: Die Festivalsaison geht weiter!
In malerischen Industrieruinen empfängt Johan Simons’ zweite Ruhrtriennale, und in Avignon nimmt Julien Gosselin einen neuen Anlauf auf Roberto Bolanos Großroman «2666».
Die Redaktion muss erstmal ausspannen und ist ab 24. August wieder erreichbar.
Das Jahrbuch Theater 2016 erscheint am 26. August...
Nach 14 Tagen sackte der artivistische Riesenballon, den das Zentrum für Politische Schönheit mit der zartfühlenden Aufschrift «Flüchtlinge fressen» in einer «Bundeserpressungskonferenz» aufgeblasen hatte, schlaff in sich zusammen: Kein Flüchtling wurde gefressen, und kein Syrer gelangte an Bord der «Joachim 1» von Izmir nach Berlin Tegel. Denn beides hatte das...
