Sechs Stunden Deutsch

Andreas Kriegenburgs Beitrag zur Patriotismusdebatte: «Nibelungen»

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Mehr Patriotismus!» wird jetzt allenthalben von uns verlangt, und es klingt, als sei unser gutes altes Abendland deutscher Nation schwer in der Defensive. Ringsum – und mittendrin – nichts als Parallelgesellschaften und Multikulti, ganz zu schweigen von der islamistischen, terroristischen, fundamentalistischen Bedrohung. Die Gesellschaft, heißt es von Seiten der Politik, müsse sich wieder stärker auf ihre Wurzeln besinnen und ihre Werte leben.

Tja, da wird es aber schon schwierig, denn was genau sind die deutschen Wurzeln und Werte? Guckt man sich das Nibelungenlied an, um 1200 entstanden, 1755 wiederentdeckt und im 19. Jahrhundert zum «Nationalepos der Deutschen» deklariert, muss man sich sehr wundern, was für Lügner, Mörder und Betrüger wir Deutschen uns da als Helden auserkoren und welche Tugenden wir von ihnen abgeleitet haben. Treue, Ehre, Pflicht und Freundschaft bis in den Tod wurden in dem Text als typisch deutsch ausgemacht. Hinzu kam eine seltsame Faszination am Untergang, die in der propagandistischen Vereinnahmung durch die Nazis gipfelte.

Kein anderer Text ist derart ideologisch kontaminiert und auf so dubiose Weise mit deutscher Geschichte und vermeintlich deutschen ...

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Theater heute Januar 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Christine Dössel

Vergriffen
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