Gut parallel ist nie daneben
Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissene Sätze. Diese Sätze haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind immer wahr. Kein Kontext prüft sie mehr. Gezielt nach dem Bild des Zitats geschriebene Sätze nennt man Aphorismen. Ihr provokanter Scheintiefsinn schreit nach prüfender Vervollständigung, nach Kontext, nach Inszenierung. Doch relativ selten sind Motti und Aphorismen verfilmt oder auf die Bühne gebracht worden, und wenn, dann von eher essayistisch gestimmten Filmemachern wie Eric Rohmer mit seinem Sprichwörterzyklus.
Dieses Genre des «abgeklärten chinoiden Teekannenspruchs» (Handke) kann einem aus vielen guten Gründen auf die Nerven gehen. Aber an dem Abend, von dem hier die Rede sein wird, erlebte man eindrücklich, wie das eigenartige Nichtverhältnis zugespitzter Aphorismen zur Welt und ihrem Widerstand nicht so weit weg ist von der zwanglosen Genauigkeit einer Musik, die einem zunächst ganz zufällig im Ohr bleibt und sich plötzlich mit einem erst halb gedachten Gedanken zur Vollständigkeit verbindet.
Solche goldenen Sätze nämlich, insbesondere so sie aus Tagebüchern, Arbeitsjournalen und autobiographischen Notizen stammen, interessieren schon eine Weile den Komponisten und ...
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