Schwarz, schwul, swag

Von Pittsburghs Straßen auf die Tanzbühnen Europas Kyle Abraham veredelt die urbanen Moves seiner Jugend zu elegischer Körperpoesie und erobert nun auch das Tanzpublikum in Stuttgart und Barcelona.

Tanz - Logo

Längst ist er einer der Hauptakteure der gegenwärtigen (post-)modernen Tanzszene in New York. In Pittsburgh/Pennsylvania geboren und aufgewachsen, begann sich Kyle Abraham vor rund 13 Jahren mit auffallend sinnlicher und komplexer Bewegungssprache als Tänzer wie als Choreograf zu profilieren.

Kategorien wie männlich und weiblich lösten sich schon damals auf, wenn seine Schultern ins Rollen kamen, seine Gliedmaßen den Raum eroberten: In seiner Solo-Choreografie -«Inventing Pookie Jenkins» (2006) trug er einen knöchellangen weißen Tüllrock, der mit seinem nackten Oberkörper kontrastierte – und wirkte wie ein muskulöser Boxer, der es versteht, ein romantisches Tutu in zarteste Schwingungen zu versetzen. Dann der Clou des Solos: Zwischen schöpfenden Armbewegungen, kreisendem Becken und schraubenden Drehungen des Oberkörpers kniete er unvermittelt nieder, um dem «Sterbenden Schwan» seine Reverenz zu erweisen.

Abrahams erstaunliche Fusion von schroffem Straßenjargon, eminenter Musikalität und expansivem Ausdrucksgestus schlug ein – und legte den Grundstein für die Erfolge, die sich anschließen sollten. Seine Kompanie A.I.M – ehemals: Abraham.In.Motion – ist USA-weit gefragt, zu den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2019
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Wendy Perron

Weitere Beiträge
Highlights 7/19

Amsterdam: Julidans

In diesem Heft finden Sie gleich zwei Höhepunkte des Festivals ausführ-licher gewürdigt: das belgische Kollektiv Peeping Tom mit der jüngsten Produktion «Kind» (siehe S. 8) und Dana Michel aus Kanada mit «Cutlass Spring» (siehe S. 40). Ihre Auftritte sind im Internationaal Theater Amsterdam, ehemals Stadsschouwburg, angesetzt. Hier versammeln...

Stuttgart: Katarzyna Kozielska, Edward Clug, Nanine Linning «Aufbruch!»

Ein Tanz-Tableau wie von Oskar Schlemmer. In «Patterns in ¾» verortet Edward Clug seine Tänzer so im Raum, als handelte es sich um eine erste Bühnenprobe des «Triadischen Balletts», das 1922 genau an dieser Stelle uraufgeführt worden ist. Noch kommt keins der berühmten Kostüme zum Einsatz, die gegenüber vom Theater, in der Staatsgalerie Stuttgart, aufbewahrt...

Bremen: Adrienn Hód «Coexist»

Die Tanzsparte am Theater Bremen ist neu aufgestellt. Der Hauschoreograf Samir Akika muss nur noch ein Werk pro Jahr abliefern. Der Qualität hilft das enorm. Dafür wird die kleine Truppe mit immer neuen Gästen überrascht. Diesmal ist es Adrienn Hód aus Ungarn, choreografische Grenzgängerin in einem Land, in dem sich die Partei unter Victor Orbán gern und oft gegen...