Schwarmintelligenz
In einem Schwarm zählt nicht das Schicksal des Einzelnen, sondern nur das der Gemeinschaft. Vögelschwärme fliegen gemeinsam, um sich vor großen Raubtieren zu schützen, jeder übernimmt einmal die gefährliche Position am äußersten Rand. Die Gemeinschaft ist alles, es geht schließlich ums Überleben. So auch in Dürrenmatts fiktiver Gemeinde Güllen, in der die Stadtkasse leer und die Einwohner in dieser Inszenierung buchstäblich bis auf die Unterwäsche pleite sind.
Die Wände und der ansteigende Boden ihrer Stadt sind mit tiefschwarzer Plastikfolie verklebt (Bühne: Susanne Dieringer).
Und damit nicht genug. Auch dieser Schwarm muss sich vor einem Raubtier schützen. Jannek Petri dreht als schwarz geschminkter Panther der alten Heimkehrerin Claire Zachanassian seine Kreise, faucht und lauert zum Angriff und zwingt den Schwarm der Stadtbewohner, gemeinsam ums Überleben zu kämpfen. Wie sie in ihrer Not inmitten der Leichensack-Landschaft gemeinsam den Konradsweilerwald wieder auferstehen lassen, Vogelstimmen imitieren und fröhlich pfeifen, nur um die gar nicht so alte Zachanassian (Sandra Fehmer) an ihre Jugendliebe zu erinnern, gerät Regisseurin Daniela Löffner zu einem der stärkeren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Alexander Kohlmann
«Gutes Viertel» nennt Rebekka Kricheldorf das Ambiente, in dem die Klemmers leben: Patriarch Fabian und sein guter Sohn, der Arzt Ingo mit seiner Psychotherapeutenfreundin Solveig. «Schlechtes Viertel» kommt nur per Fernsehen ins Wohnzimmer. Und in Gestalt von Raul, dem bösen Sohn, der sich vor Jahren aus dem «Mumienviertel» verabschiedet hat, um seinen...
Die Liebenden sind austauschbar. (…) Die Reduktion der Person zum Liebespartner scheint mir das charakteristischste Merkmal dieses grausamen Traums zu sein. Und vielleicht das modernste Merkmal. Der Partner trägt keinen Namen mehr, er besitzt nicht mal mehr ein Gesicht. Er ist nur am nächsten.»
Seit Jan Kotts berühmt hellsichtiger «Sommernachtstraum»-Deutung aus...
Wenn es an diesem Abend tatsächlich um «Tilla» gegangen wäre, nämlich um die große Schauspielerin Tilla Durieux, dürfte man durchaus erbost sein. Sie gehörte zur Schauspieleravantgarde des 20. Jahrhunderts, hat in den 20er Jahren Piscators Experimentier-Volksbühne mitfinanziert und musste mit ihrem dritten Mann, dem jüdischen Kaufmann Ludwig Katzenellenbogen, 1933...
