Außer Kontrolle
Woyzeck hat die Falsche umgebracht. Hätte er doch die Hauptmänner genommen, oder Doktoren, oder allen voran den Pfarrer «mit seinem widerwärtigen klerikalen Angstkontrollsystem» (Richter), vielleicht hätte sich dann was geändert. Oder? Falk Richter hat sich in seiner Düsseldorfer «Textperformance» nicht weniger vorgenommen, als Büchners radikales Werk fortzuschreiben. Im Zentrum steht jener «vom Theater geschundene Text» über den Wutbürger Woyzeck, der ohne Überblick in den Fängen von etwas zappelte, was wir heute die «Märkte» nennen.
Und damit nur ein hilfloses Synonym bilden für jenes undurchsichtige, immer reicher werdende Monster der Macht ohne Angriffsfläche. Richter, der auch der Regisseur ist, rahmt den 90-minütigen Abend mit der Erzählung «Lenz», das Drama des Künstlers, der – wie auch Woyzeck – wahnsinnig wird über dem Versuch, die Welt zu verändern, sei es durch Kunst oder einen (fehlgeleiteten) Mord. Was man somit auch als vorweggenommenen Selbstzweifel lesen kann.
Xenia Noetzelmann haucht, stottert, schreit die gewaltigen Naturbeschreibungen und Seelenqualen von Lenz expressiv ins Handmikrofon. Dann setzt sich die Drehbühne erhaben grollend in Bewegung, Bühnenböden ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Dorothea Marcus
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