Schuldklage, geschlechterspezifisch
Sind die Frauen die «Guten» und die Männer die «Bösen»? Nach einer Vorstellung von Tom Lanoyes neuem Stück «Atropa» (ob die der deutschen Erstaufführung in Nürnberg oder die unmittelbar darauffolgende im Theater Konstanz) ist man nicht ganz abgeneigt zu sagen, dass es sich der Autor vielleicht doch etwas zu einfach gedacht und gemacht hat.
Den Ur-Mythos von «der Mutter aller Kriege», dem um Troja also, formt er sich zu einem einzigen weiblichen Aufschrei gegen Gewalt und männlichen Despotismus: Unter der Rache des Friedens leiden die Frauen und sterben und opfern sich selbst und ihre Kinder. Nicht ohne vorher dem Mann, den Agamemnon stellvertretend für alle Geschlechts- und Gefechtsgenossen repräsentiert, die schlechte Meinung über ihn vorgeweint zu haben. Und fein raus sind sie dann auch im Tod noch, als moralisch einwandfreie Opfer eines idiotisch patriarchalischen Weltverständnisses.
Lanoye aber hat natürlich gewichtigere Vorlagen gewälzt und sich den Urstoff aus Euripides und Aischylos zusammengesucht, um so aus der Perspektive der großen Frauengestalten (Klytämnestra, Iphigenie, Helena, Kassandra...) das ewige Spiel der Macht zu erzählen, nicht ohne den Bogen zu spannen zur ...
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