Schülerscherz, Weltschmerz
Drei Schauspieler und eine Schauspielerin stürmen brüllend die Bühne, gekleidet in riesige gelbe Reclamhefte; auf jedem bibeldicken Umschlag steht «Friedrich Schiller: Die Räuber».
Bewaffnet mit Golf- oder Baseballschlägern dreschen sie zu den rasenden Beats von Rednex’ «Cotton Eye Joe» auf alles ein, was Elisabeth Weiß auf der hell ausgeleuchteten Bühne des Deutschen Theaters positioniert hat: ein paar Stühle, zerspringende Gipsbüsten ominöser Klassiker, eine überdimensionale «Reclam braucht keine Reclame»-Reklame oder auch schon mal die immerhin heftgepolsterte Magengrube des Mitspielers.
Gleich zum Auftakt schließt Regisseurin Claudia Bossard am Deutschen Theater Schülerscherz und Gewaltrausch kurz – ein kurzes, fieses Energie-Hoch, von der sich ihre Inszenierung nicht mehr erholt. Denn die Doppelstunde Deutsch danach findet trotzdem statt. Die «Räuber» als quälende Schullektüre anscheinend noch plastisch vor Augen, haben sich Regieteam und Ensemble der Erfahrung noch einmal Satz für Satz unterzogen, wie Bossard im Programmheftinterview erzählt, und neben dem Familien- und Ideendrama auch jede Menge Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus entdeckt. Auf Basis der Relektüre ist ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Eva Behrendt
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