Schülerscherz, Weltschmerz
Drei Schauspieler und eine Schauspielerin stürmen brüllend die Bühne, gekleidet in riesige gelbe Reclamhefte; auf jedem bibeldicken Umschlag steht «Friedrich Schiller: Die Räuber».
Bewaffnet mit Golf- oder Baseballschlägern dreschen sie zu den rasenden Beats von Rednex’ «Cotton Eye Joe» auf alles ein, was Elisabeth Weiß auf der hell ausgeleuchteten Bühne des Deutschen Theaters positioniert hat: ein paar Stühle, zerspringende Gipsbüsten ominöser Klassiker, eine überdimensionale «Reclam braucht keine Reclame»-Reklame oder auch schon mal die immerhin heftgepolsterte Magengrube des Mitspielers.
Gleich zum Auftakt schließt Regisseurin Claudia Bossard am Deutschen Theater Schülerscherz und Gewaltrausch kurz – ein kurzes, fieses Energie-Hoch, von der sich ihre Inszenierung nicht mehr erholt. Denn die Doppelstunde Deutsch danach findet trotzdem statt. Die «Räuber» als quälende Schullektüre anscheinend noch plastisch vor Augen, haben sich Regieteam und Ensemble der Erfahrung noch einmal Satz für Satz unterzogen, wie Bossard im Programmheftinterview erzählt, und neben dem Familien- und Ideendrama auch jede Menge Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus entdeckt. Auf Basis der Relektüre ist ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Eva Behrendt
Auf der großen Videoleinwand in der Bühnenmitte splittern Glasscherben, ein Martinshorn ist zu hören, später die Signale eines Überwachungssystems auf der Intensivstation. Dann singt eine weiße Gestalt die Arie «Piangerò» aus der Händel-Oper «Giulio Cesare in Egitto». Das Lied, in dem Cleopatra verzweifelt den vermeintlichen Tod Cesares beklagt.
Das muss man sich...
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Die Signatur von Regisseurin Anna Bergmann ist unverkennbar: die Musik, der Gesang, die Drehbühne und nicht zuletzt der bewegende Stoff. Emily Brontës Klassiker «Sturmhöhe», 1847 veröffentlicht, erzählt der Roman eine verworrene Geschichte über Liebe, Hass und Rache. Im Zentrum: der dunkelhäutige Heathcliff. Nachdem er als Waisenkind auf dem Gutshof Wuthering...
