Boulevard Kafka
Karl Roßmann hat immer noch Probleme. Der Protagonist in «God Save America» von Biljana Srbljanovic heißt wie der Held aus Kafkas Romanfragment «Amerika», und die Namensgleichheit ist natürlich kein Zufall. Auch der neue Roßmann ist Europäer in Amerika, auch ihn wollen sie offensichtlich fertigmachen: Der Portier, der gegen Schmiergeld unangemeldet Besucher passieren lässt, lügt ihm frech ins Gesicht; sein bester Freund geht aufs Klo, wenn’s beim Nobelitaliener ans Zahlen geht; und als Roßmann bei seiner Bank anruft, verhungert er in der Warteschleife.
«God Save America», entstanden 2002 während eines New-York-Aufenthalts der Autorin, ist eine Kapitalismus-Farce. Alles dreht sich ums Geld, wobei die Pointe darin besteht, dass Roßmann keines mehr hat: Seinen hochdotierten Job (vermutlich irgendwas an der Wall Street) hat er ausgerechnet verloren, als er ein neues, sündteures Apartment bezogen hat. Weil Roßmann erstens selbst noch nicht ganz kapiert hat, dass er am Ende ist, und sich zweitens keine Blöße geben will, ignoriert er die Situation zunächst – was eine gute Ausgangsposition für eine Komödie darstellt.
Tatsächlich versucht sich Srbljanovic als Boulevardautorin: Wenn etwa die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit dem Gerät zerkleinert der Jäger und Sammler zumeist Hühnchen. Der Kiefer ist schwach, das Handwerkzeug aber willig. Nun ist es allerdings nicht so, dass der Held in Fausto Paradivinos Erstling aus dem Jahr 1997 Kannibalisches im Sinn hat, wenn er gleich zu Beginn sagt, er werde die Leiche wohl mit einer Geflügelschere zerkleinern, dann eine Hälfte einfrieren...
Natürlich ist der «Neger» weiß. Erst ganz am Schluss kramt er doch noch das Creme-Tiegelchen hervor und schmiert sich zentimeterdick die schwarze Farbe auf den Leib und ins Gesicht. Mit küssender Gewalt hinterlässt Othello seine dunklen Spuren auf der weißen Unschuldshaut Desdemonas – wie bereits anno 1976 Ulrich Wildgruber als Zadeks Wilder. Der Mohr in Michael...
Steht bei den Angaben zum Autor, er habe gleich für sein erstes Stück einen Preis erhalten, wird aber nicht preisgegeben, welcher Preis das genau war, gerät man ins Grübeln. Im Falle des 53-jährigen amerikanischen Theaterautors Richard Dresser hält das Grübeln während der Lektüre von «Schüsse ins Herz» an. Geschrieben hat er die Beziehungskomödie 1997. Sein...
